Frankfurt Universe brachte den Titelverteidiger im Eurobowl, die New Yorker Lions Braunschweig, ins Schwitzen, aber nicht zu Fall. Bericht zum Finalspiel vom 09.06.2018

Schon vor diesem Spiel am Samstagabend war klar, dass es ein ganz besonderes Spiel werden würde. Es ging schließlich um die europäische Trophäe und diese wollten die Frankfurt Universe erstmalig, die New Yorker Lions aus Braunschweig zum sechsten Mal holen.

Der Wetterbericht für Frankfurt verhieß, dass es regnen oder gar gewittern könnte. So oder so wollte ich dabei sein und war es schlussendlich selbstverständlich auch. Die kleine Party vor dem Spiel auf den improvisierten Bühnen gab es auch an diesem Tag und die Cheerleader waren, wie immer, hübsch und fein gekleidet, so wie tänzerisch in sehr guter Form.SFUNYLB09062018-1

Insgesamt war auch mehr los als bei den letzten Spielen, aber leider nicht so viel, wie in der abgelaufenen Saison. Schön war, dass viele Gästefans zu sehen waren, was doch eher selten der Fall ist. Ganz besonders sollte es aber dadurch werden, dass er TV Sender sport1 dieses Spiel live im Fernsehen zeigte.

Ganz wichtig war an diesem Tag für mich der Kauf eines Tickets und das bekam ich von einem gewissen Herrn Marco Schwarzer.

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Traumhaft schön

Aber zunächst hieß es die vielen bekannten Nasen und Gesichter, auch aus Braunschweig, zu begrüßen und für kurze Gespräche hier und da parat zu stehen. Und so verging sich auch die Zeit recht schnell und dann saß ich schon auf der Tribüne und wartete auf den Einlauf beider Mannschaften. Die Gäste aus Braunschweig kamen nicht, wie es sonst üblich ist, durch den Haupteingang auf das Feld, sondern durch ihren eigenen Löwentunnel. Schon da waren die Gästefans aus Braunschweig auf der Gegentribüne zu hören. Ungewohnt, aber toll. Kurz darauf kamen natürlich auch die Frankfurter aufs Feld und im Anschluss gab es Hymnen. Zuerst die europäische Hymne, dann die deutsche. Eine dritte war nicht notwendig und so konnte das Spiel nach dem Münzwurf auch so langsam losgehen.

Langsam trifft es in diesem Fall wirklich, denn es hieß erstmal warten, bis das Fernsehen bereit war. Doch dann konnte der Kickoff durchgeführt werden und Frankfurt den ersten Angriff spielen. Das sah zu Beginn auch ganz gut aus, bis der Ball bei einem Lauf verloren wurde und die Gäste aus Braunschweig diesen für sich beanspruchten und ihrerseits zum ersten Mal angreifen konnten.

Direkt zu Beginn zeigten sie, warum sie seit Jahren die Topmannschaft im europäischen Football sind. Die 3.122 Zuschauer im Stadion sahen den ersten Angriff und den ersten Touchdown der Gäste. Schnörkellos und geradlinig zum 7:0

Während die Universe davon geschockt schien und den nächsten Angriffsversuch schnell mit einem Punt beenden musste, kamen die Braunschweiger wieder schnell über das Feld in Richtung der Frankfurter Endzone. Doch noch etwas Anderes kam in die Nähe der Endzone: ein Gewitter mit ziemlich viel Regen.SFUNYLB09062018-5

Nicht nur die Besucher auf der Stehplatztribüne mussten ihre Plätze verlassen, auch beide Mannschaften wurden vom Feld gebeten und das Spiel unterbrochen. Schnell sollte es nicht weitergehen, dafür war das Gewitter zu beständig. Die Unterbrechung wurde verlängert und verlängert. Es stand die Frage im Raum, ob überhaupt weitergespielt werden kann. Eine weitere Alternative soll eine Verlegung des Spiels auf den nächsten Tag gewesen sein, aber nach und nach hörte man heraus, dass auf jeden Fall noch an diesem Abend weitergespielt wird. Wann auch immer das sein sollte.

In der Zwischenzeit lief die Welle durch das Stadion und Fangesänge als auch andere Aktivitäten wurden vom Stadionsprecher angestimmt um die Zuschauer bei Laune zu halten. Durch den Wind wurde man übrigens auch bis ungefähr zur Mitte auf der Haupttribüne leicht angefeuchtet. Aber was konnte man denn noch so machen in der langen Unterbrechung? Richtig! Essen und Trinken beschaffen. Natürlich auch mit den Sitznachbarn sprechen, oder mit den erwähnten bekannten Nasen und Gesichtern über das Wetter philosophieren. Hier und da war auch ein Spieler anzutreffen.

Lange Zeit wusste wirklich niemand, auch nicht die Schiedsrichter, ob sie das Spiel fortführen konnten. Doch nach 90 Minuten, da war es mittlerweile schon 22 Uhr, wurde angesagt, dass das Spiel fortgesetzt werden kann. Late Night Football, prima. Zunächst mussten sich beide Mannschaften wieder aufwärmen, ehe es weitergehen konnte. Und nach insgesamt 105 Minuten der Unterbrechung standen beide Mannschaften parat und das Spiel konnte tatsächlich weitergehen.

Zwar regnete es immer noch, aber das Gewitter war weitestgehend fortgezogen. Nun war es spannend und interessant zu sehen, wem diese ungeplante Pause besser zu Gute kam. Was wurde eigentlich in der Zwischenzeit auf Sport1 gezeigt? Unwichtig für mich, denn ich war ja im Stadion und sah, dass die Braunschweiger ihren unterbrochenen Angriff nun fortsetzten, aber den Ball verloren, was bedeutete, dass nun Frankfurt die nächste Offensive starten konnte.SFUNYLB09062018-6

Doch auch dieser Angriff wurde mit einem Punt beendet und wäre da nicht eine Flagge gewesen, hätten die Braunschweiger auch den Ball gehabt. Aber da der Kicker einfach mal dezent umgerannt wurde, durfte sich Frankfurt weiter versuchen. Dass wir Frankfurter sehr gastfreundlich sind, zeigte sich im folgenden Angriffsversuch, denn der lange Pass landete in den Händen der Gäste. Nun passte wieder alles, wenn man so wollte. Anschließend zeigten sich beide Defensivreihen von ihrer starken Seite und der Regen trug seinen Teil dazu bei. Bälle wurden nicht gefangen, das Ding war einfach zu nass und so wechselte der Ball noch drei Mal, ehe Frankfurt mit einem Laufspiel durch die Defensivreihe der Braunschweiger durchbrechen und punkten konnte. Justin Rodney lief allen davon und verkürzte auf 6:7. Leider war der folgende Snap für den Extrapunkt viel zu hoch und das was dem folgte war zwar schön anzusehen, führte aber im Endeffekt zu keinen Punkten.SFUNYLB09062018-7

Nun wieder Braunschweig, die stückweise nach vorne kamen und durch ein Foul der Frankfurter ein geschenktes First Down bekamen. Aber auch die Gäste waren sehr freundlich und gaben ihrerseits den Ball, wenn auch ungewollt, an einen Frankfurter ab, der diesen dorthin brachte, wo es die nächsten Punkte gab. Kweishi Brown konnte den missglückten Fangversuch für sich zum Vorteil nutzen. Da stand es nun 12:6 und wieder misslang der Snap zum Extrapunkt oder der 2pt Conversion völlig und endete erneut ohne weitere Punkte. Das war shcon ziemlich ärgerlich, denn gerade gegen einen Gegner, wie es Braunschweig ist, sollte man jeden sich anbietenden Punkt mitnehmen.

Mit diesem Zwischenstand ging es auch in die Halbzeitpause, obwohl die Braunschweiger nochmal gefährlich nahe an die Endzone kamen, aber eben nicht in die Endzone für weitere Punkte. Wie schnell sie das Feld aber überbrücken konnten, war schon sehr faszinierend zu sehen. Frankfurts Defensive hatte damit immer wieder Probleme, denn häufig stand ein Braunschweiger völlig frei, um den Pass aufzunehmen.

Dennoch war es so, dass den Braunschweigern die lange Unterbrechung nicht so gut bekam, wie den Frankfurtern, die ihr Spiel nochmal anpassen konnten und eine bessere Figur machten. Das mit der besseren Figur war auch zu Beginn der zweiten Halbzeit zu sehen. Braunschweig bekam den Ball und der Return ging auch weit; starten mussten sie jedoch an ihrer eigenen neun Yard Linie, da es irgendwo einen Block in den Rücken gegeben hatte. Eigentlich schon schlimm genug, doch der Ball ging auch noch verloren und Frankfurt stand nun kurz vor der Endzone für weitere Punkte. Doch zunächst ging es nach hinten. Frankfurts neuer Quarterback Elffers hatte dann eine grandiose Idee, die aus der Not heraus geboren wurde und zum Erfolg, sprich einem Touchdown, führte. Und dieses Mal gab es die vollen sieben Punkte und es stand 19:7. Die Freude auf der Tribüne war groß und man rieb sich schon verwundert oder ungläubig die Augen über diesen Spielstand. Auch für Braunschweig war dies sicherlich alles andere als eine gewohnte Sache, gewinnen sie schließlich ihre Spiele ansonsten haushoch und nur mit geringer Gegenwehr.

Vorbei war das Spiel aber noch lange nicht, denn mit Braunschweig muss man immer rechnen. Bei ihrem nächsten Angriff war es dann auch so, dass sie von vielen Strafen profitierten, die die Frankfurter nahmen. Wobei man hier durchaus die Frage stellen kann, ob die Entscheidungen der Unparteiischen wirklich so hätten sein müssen. Wie dem auch sei, so wurde entschieden und in kurzer Zeit stellten die Braunschweiger auf 19:14. Zwar flogen laufend irgendwelche Flaggen, was sehr irritierend war, aber am Ende zählten Touchdown und Extrapunkt.SFUNYLB09062018-8

Nun war es also eng und spannend und das kurz vor Mitternacht. Frankfurts Angriffsversuch endete schnell mit einem Punt. Die Braunschweiger Verteidigung war auf der Höhe und ließ nichts zu. Dagegen war die Offensivabteilung nun druckvoll und beinahe, wenn der Ball nicht durch die Hände gerutscht wäre, hätte ein Braunschweiger freistehend zum Touchdown laufen können. Glück und Pech lagen hier sehr dicht bei einander. Aber der Angriff ging weiter und wurde von der Frankfurter Defensive erst kurz vor der eigenen Endzone endgültig gestoppt. Punkten wollten die Braunschweiger dennoch und das Field Goal war auch gut, so dass es 19:17 stand. Aber wieder einmal lagen da gelbe Flaggen auf dem Spielfeld herum. Und Frankfurt bekam die Strafe gegen sich und schenkte damit den Braunschweigern vier neue Versuche knapp vor der Endzone. Also die drei Punkte wieder von der Anzeigetafel und dann ließen es sich die Braunschweiger auch nicht nehmen in Führung zu gehen. 20:19 für Braunschweig. Aber einen Extrapunkt gab es nicht, denn da war mal wieder ein Foul auf dem Feld.

In dieser Situation kann man noch nicht mal sagen, dass die Schiedsrichter hier ihre Finger im Spiel hatten. Ein persönliches Foul nach dem Spielzug ermöglichte es den Braunschweigern mehr aus dem Angriff zu machen, als eigentlich möglich gewesen wäre. Doch Konjunktiv und Fahrradkette. In so einer Situation zeigt sich die Erfahrung der finalerprobten Braunschweiger gegen die Emotionen der Frankfurter, die teilweise in dieser Situation übermotiviert und nicht clever genug waren.

Dennoch war noch nichts verloren und genügend Zeit auf der Uhr – für beide Mannschaften. Und das deutlich nach Mitternacht. Frankfurt also wieder in der Offensive und das sah auch über weite Strecken sehr gut aus. Die Zeit wurde gut runtergespielt und es ging auch nach vorne. Doch bevor die Braunschweiger Raumgewinne in die Nähe ihrer Endzone zuließen, stoppten sie routiniert die Angriffsversuche und zwangen Frankfurt zu einem Field Goal Versuch, der bei diesem Wetter alles andere als ein einfaches Unterfangen werden würde. Nun ging bei vielen Zuschauern die Pumpe so richtig. Auch neben mir wurden die Hände nicht stillgehalten. Dann wurde der Ball gekickt und ging links an der Stimmgabel vorbei.SFUNYLB09062018-9

Damit war das Spiel entschieden. Braunschweig brauchte nur noch abzuknien, was sie auch taten und damit gewannen sie das Spiel denkbar knapp mit 20:19 und konnten den Pokal für den Eurobowl erneut für sich beanspruchen. Da war es schon halb eins.

Bitter für Frankfurt, routiniert von Braunschweig. So könnte man es in einem Satz zusammenfassen. Schiedsrichter hin oder her, am Ende waren es eigene Fehler der Frankfurter, vergebene Punkte und mehr, die einen möglichen Überraschungserfolg verhinderten. Aber Braunschweig weiß nun, dass da jemand ist; außer Schwäbisch Hall, der sie bei einem möglichen neuen Aufeinandertreffen gewiss nicht nur an den Rand einer Niederlage bringen kann.

Doch für den Moment: herzlichen Glückwünsch nach Braunschweig zur Titelverteidigung.SFUNYLB09062018-10

Das Abklatschen aller Spieler, die an der Ehrenrunde teilnahmen, war dennoch schön. Manche ließen den Kopf etwas hängen und waren enttäuscht, was verständlich ist. Dennoch gab es viele Spieler auf beiden Seiten, die sich für das Kommen und vor allem für das Bleiben bedankten.

Aber soll ich euch noch etwas sagen? So ein Spiel sehe ich viel lieber als den Einbahnstrassenfootball, den man sonst zu sehen bekommt. Das ist keine Kritik an den anderen Mannschaften, jedoch ist ein Spiel, das bis zur letzten Sekunde spannend ist, einfach sehenswerter.

Wie viele Menschen wohl auf Sport1 zugesehen haben? Ich hoffe viele, denn das war durchaus Werbung für den deutschen Football. Spannung bis zum Schluss. Aber Hand aufs Herz: wie viel Geld wollte der AFVD mit den hohen Ticketpreisen bitte machen? Nicht mal einen Familienblock gab es. Das Wiederum war nicht gerade Werbung. Doch wie sagt man so schön: Ist der Ruf erst ruiniert…. Den besten Ruf hat der AFVD ohnehin schon nicht mehr.

Egal! Es gab ein tolles Footballspiel zu sehen, das mit der Gesamtdauer einem Superbowlspiel nahekam. Wir sahen zwei kämpfende Mannschaften, die sich bis zum Schluss nicht aufgeben. Fans aus beiden Lagern, die bis zum Ende des Spiels im Stadion geblieben waren. So muss es sein und wenn die Preispolitik noch fanfreundlicher wird, dann wird es bei einem nächsten Mal, wo auch immer es stattfinden wird, vielleicht in die Nähe eines ausverkauften Hauses gehen. Und lieber AVFD, das Wort „ausverkauft“ hat enormes Werbepotenzial. Denkt mal darüber nach.

Euer Pat.

Bilder des Beitrags von Marc Junge / all-about-football.de

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