Jonathan Davis lässt den Hamburger Club Grünspan zur Sauna werden. Bericht zum Konzert vom 04.06.2018

Vorweg möchte ich sagen, dass ich keine Bilder in diesen Artikel nehmen kann, da die DSGVO in diesem Punkt leider keine größeren Spielräume zulässt. Schließlich war ich nur privat bei diesem Konzert und nicht als akkreditierter Fotograf. Das Titelbild ist aus der Facebook Veranstaltung genommen und stammt von Karsten Jahnke Konzerte Hamburg.

Wenn ihr mehr über den Club Grünspan an sich erfahren wollt und auch über den Veranstalter, dann schaut hier:

Gruenspan Hamburg

Karsten Jahnke Konzertdirektion GmbH Hamburg

Dass mich die Wege mal nach Hamburg in den Kiez führen und das wegen zwei Konzerten, hätte ich vor einiger Zeit nicht für möglich gehalten. Aber so passierte es am Anfang dieser Woche. Mit einem guten Freund ging es mit dem ICE von Frankfurt nach Hamburg, in dem exakt der Wagen gesperrt war, in dem sich die 1. Klasse Sitzplatzreservierung befand. Nach ein paar Beschwerden mehrerer Fahrgäste und einer Reparatur durften die Reisenden dann doch in diesen Wagen und wir konnten endlich bequem sitzen. Ich überspringe mal die Fahrt und gehe über zum Appartement, das wir für unseren Aufenthalt gebucht hatten. In der Holstenstraße, unweit der Clubs und unweit der Reeperbahn – praktisch genau am Kiez, wenn man so will. Besser ging es wirklich nicht. Kurz ein paar wichtige Einkäufe erledigt und dann kam auch schon Person Nummer drei zur geselligen Runde hinzu. Nun waren wir also zu dritt und dann ging es auch schon ab zum Gruenspan.

Keine zwei Minuten und wir waren vom Appartement vor dem Gruenspan. Dort ging es hinein und erstmal umschauen. Sollten wir nach oben oder doch unten bleiben? Es ist ein eher mittelgroßer Club, der jetzt nicht unbedingt große Massen erlaubt, aber Platz für bis zu 1.000 Menschen (wenn alle stehen) bietet.

Warm war es schon da drin, obwohl noch nicht wirklich was passierte und oben war es noch ein Stück unangenehmer. Gut, über die Belüftung reden wir mal lieber nicht, aber egal drum. Kultclub ist und bleibt Kultclub. Es dauerte auch zum Glück nicht lange, bis die Vorband des Abends Pyogenesis aus Stuttgart begann.

Ich kannte sie bisher nicht und so konnte ich mir bei der Musik, die sie spielen einen ersten Eindruck verschaffen und der war meines Erachtens nach nicht schlecht. Sie spielen eine Mischung aus Death und Gothic Metal, können aber durchaus auch etwas ruhigere Töne an den Tag legen.

Wenn ich mich recht entsinne, haben sie bei ihrem Auftritt ein durchaus gutes Spektrum ihrer musikalischen Fähigkeiten gezeigt. Von purem Death Metal mit stimmigem gutturalen Gesang bis hin zu einer eher ruhigen Songvariante, brachten sie schon die erste Hitzewelle in den Gruenspan.

Vom Stil her haben sie mich an etwas zwischen Trivium und Heaven Shall Burn erinnert. Mir gefiel hierbei, dass Sänger Flo V. Schwarz die unterschiedlichen Gesangslagen wirklich gut zu beherrschen scheint. Musikalisch, und das lag mit Sicherheit auch an der sehr erfahrenen Bühnencrew, die den Sound wirklich hervorragend kalibrierten, waren die Instrumente doch sehr gut herauszuhören. Das ist bei dieser Musikrichtung nicht immer so einfach, aber bei der Einstellung kein Problem, wie ich fand.

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Auf die Zeit habe ich nicht wirklich geachtet. Da war der Auftritt von Pyogenesis schon vorbei und ja, es war schon sehr warm. Also hinaus und ein bisschen dampfen. Das Standardprogramm bei mir eben. Auch meine beiden Kollegen waren dort und wir standen etwas versetzt neben dem Gruenspan vor einem anderen Club, der an diesem Abend nicht geöffnet hatte. Es handelte sich um den „Indra Club 64“. Einige werden jetzt sofort wissen, warum das so erwähnenswert ist. Aber viele wohl nicht.

Eine Tafel an der Wand erklärt auch schon warum. Denn die Beatles haben dort bereits im Jahr 1960 gespielt. Der erste Auftritt in Deutschland, bevor sie ihre große Bekanntheit erlangten. Sozusagen eine heilige Stätte.

Nachdem wir uns satt gequalmt hatten, gingen wir wieder hinein und warteten auf den Hauptakt des Abends, der nicht lange auf sich warten ließ.

Jonathan Davis betrat mit seinen Musikern die Bühne und schon gab es Applaus und großen Jubel für ihn. Der Sänger von Korn, dessen Soloprojekt wenig bis gar nichts mit Korn zu tun hat, stellte dies auch zu Beginn klar. Korn ist Korn und Jonathan Davis ist Jonathan Davis.

Das merkt man auch schon bei den ersten Songs, die gespielt wurden. Sie sind ruhiger und atmosphärischer aber sehr melodisch und eingängig. Dabei stechen die Texte sehr deutlich hervor, die durchaus zum Nachdenken anregen können.

Den Anwesenden gefiel der Auftritt definitiv, denn es wurde sichtlich viel getanzt, so gut es der Platz eben zuließ. Ich für meinen Teil hatte ein bisschen Platz links hinten und durchaus noch eine gute Sicht nach vorne. Beklagen konnte ich mich an diesem Abend also was die Sicht betraf nicht. Und auch nicht, was den Sound betraf, denn der war weiterhin super.

Einer der Songs, Basic Needs, war rockig und gleichermaßen orientalisch angehaucht. Ein sehr interessantes Musikerlebnis, muss ich sagen. Mehrere ruhige Passagen, in denen es rein instrumental zugeht und wenn sich Jonathan mit Gesang einschaltet, dann passt dieser stimmlich und auch von der Kraft, die er für den entsprechenden Part einsetzt.

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Es gibt immer wieder Songs, die eine gewisse orientalische Atmosphäre einbringen. Dabei verlieren sie ihren rockigen Charakter jedoch nicht. Wenn man sich darauf einlässt und vielleicht auch einmal die Augen dabei schließt und genau hinhört, kann man sich bei dieser Mischung, die Jonathan Davis mit seiner Band anbietet, sehr gut verlieren. Diese Musik ist also nicht nur zum Mitrocken, sondern auch in gewisser Form zum Abschalten gemacht. Also abschalten im Sinne von innerer Entspannung.

Mir kam es so vor, dass sich positive Stimmung im ganzen Gruenspan verbreitete und durch die vielen Menschen auch angenommen wurde, die sich in rhythmischen Bewegungen an der Musik erfreuten und stets mit Applaus und Jubel nach den Songs die Leistung der Musiker honorierten. Dass es immer wärmer und wärmer wurde, ließ sich kaum verhindern. Aber auch die Zeit rannte unaufhörlich davon und plötzlich war es vorbei. Nein, natürlich nicht. Denn der viele Applaus brachte die Musiker zurück für eine Zugabe, die aus zwei Songs bestand. Einer davon war „What it is“ und ich muss sagen, dass mir dieser Song neben „Basic Needs“ am besten gefallen hat.

Kurz danach war auch Schluss und die Menschen drängten hinaus an die frische Luft. Sehr nachvollziehbar. Aber der Abend hatte mit diesen beiden Auftritten richtig gut begonnen. Und so konnten wir nach diesem tollen Konzert eine Tour über den Kiez machen und kamen irgendwann mitten in der Nacht völlig erschöpft, aber glücklich und zufrieden in das naheliegende Appartement und sammelten Energie für den kommenden Tag.

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