Kurstadt Football in Bad Homburg – eine Reha brauchen hier nur die Gäste

Der Titel mag hier und heute vielleicht ein wenig übertrieben klingen, aber alleine die Tatsache, dass man in Bad Homburg in ein funktionierendes und großes Umfeld gerät, das sogar GFL Teams Konkurrenz macht, sagt schon viel über den Standort aus.

Zwar wurde mir vorab schon gesagt, dass es dort viel mehr gibt, als für einen Drittligisten üblich ist, es aber selber zu sehen und zu erleben ist dann doch noch eine ganz andere Nummer.

Abgesehen davon möchte ich aber auch die Pressearbeit an dieser Stelle loben, denn auch hier ist die Mannschaft insgesamt sehr weit vorne und sehr informationsfreudig. Auch das fehlt manchen GFL / GFL2 Teams deutlich. Ob es dort am Personal mangelt, mag ich nicht beurteilen wollen. Es fällt einfach auf.

Aufgefallen ist mir in Bad Homburg, dass dort für jeden etwas dabei ist. Für die Kleinen gibt es eine Hüpfburg und ein ebenfalls luftiges Trainingsgerät, an dem aber auch Ältere ihr Wurfkönnen unter Beweis stellen können. Die Versorgung ist selbstverständlich auch abgesichert. Hierfür benötigt man aber eine Bonkarte, die man an der Kasse bekommen kann. Die üblichen Gerichte wie Fritten, Würste und Burger gibt es, wobei der Burger in einer Papierbox alla Restaurant „goldenes M“ ausgegeben wird. Sehr kreativ und elegant auf eine gewisse Art und Weise.

Fanartikel für Groß und Klein, für kalte und warme Tage, gibt es auch in Hülle und Fülle, wenn man das mal so sagen darf. Die Auswahl ist groß. Auch ich habe mich dazu hinreißen lassen ein schickes T-Shirt der Sentinels zu erwerben. Ich nehme ohnehin immer wieder etwas mit, wenn ich irgendwo bin. Legal natürlich.

Verglichen mit anderen Standorten, an denen ich schon gewesen bin, war es bis hier hin schon so, dass man durchaus die Frage stellen konnte: ist das noch unterklassig oder schon GFL?

Der Spielort ist auch sehr schick, wenngleich etwas abgelegen. Aber dafür gibt es einen Shuttle-Bus der von der Endstation der U-Bahn oder dem Bahnhof bis dort hochfährt. Die Tribüne ist teilweise überdacht und viele Menschen können dort Platz finden. An diesem Tag waren es ca. 750 Zuschauer und es gab noch reichlich freue Sitzgelegenheiten, auch unter dem Dach.

Zwar ist auf der gegenüberliegenden Seite keine Tribüne, aber wenn sich die Mannschaft weiter so gut zeigt und demnächst noch weiter nach oben aufsteigt, dann soll es dort auch noch eine weitere Tribüne geben. Dann wird dieser Spielort richtig genial sein für American Football.

Was mich aber sehr heimisch fühlen ließ war die Musik. Ob von den Bands, eine vor dem Spiel und eine in der Pause, oder aber vom DJ. Mit überwiegend Rock und Metal bin ich dann doch schnell in eine Wohlfühlhaltung gekommen. So als wäre ich an diesem Ort absolut richtig.

Und wen man da so alles trifft. Ich nenne sie einfach nur noch „Die Stammis“ – bei der Universe sind sie sowieso immer, aber an anderen Spielorten findet man sich trotzdem immer wieder. Ob Offenbach, Darmstadt oder nun auch in Bad Homburg. Football verbindet – Football macht Freu(n)de. Aber man kann auch Footballspieler treffen. Also nicht auf dem Feld, das meine ich nicht, nein, denn auf der Tribüne war auch jemand aus Marburg zugegen. Hendrik Schwarz, seines Zeichens ein top Wide Receiver bei den Marburg Mercenaries. Wer weiß, vielleicht hat er sich seine zukünftigen Farben angesehen, sollte er mal wechseln und Bad Homburg höher spielen.

Natürlich und selbstverständlich, wie könnte es auch anders sein, gibt es hübsche junge Damen nicht nur als Schwestern in Kliniken, sondern auch an der Sideline vor der Tribüne. Die Cheerleader der Bad Homburg Sentinels sind auch zahlreich vorhanden und bieten vor, sowie während des Spiels, viele Tänze und schöne Choreographien an. Auch sie sind sehr harmonisch und synchron, was dem Ganzen eine schöne Optik verleiht. Worum ich sie aber nicht beneide ist die Tatsache, dass sie nach Punkten einige sportliche Übungen machen müssen. Liegestütze bis zu einem gewissen Spielstand und anschließend waren es ein paar Kniebeugen. Nun, fit für all das scheinen die jungen Damen zu sein. Auf wessen Idee ist das eigentlich zurückzuführen?

Jedenfalls standen sie beim Einlauf der Sentinels, die einen übergroßen schicken Helm dafür haben (Respekt meine Herren), Spalier und machten mit den Spielern zusammen dieses runde Bild, was ich bis dahin schon hatte, nahezu perfekt.

In Bad Homburg wird Football zelebriert und das auf eine Art und Weise, bei der sich so manch GFL / GFL2 Team etwas abgucken kann.

Ach so, gespielt wurde natürlich auch noch an diesem Tag. Das hätte ich nun beinahe völlig vergessen bei all der positiven Eindrücke.

Es war also das Duell zweier Aufsteiger, bei der von Beginn an eine starke heimische Defensive gegen eine schwer in die Gänge kommende Offensive der Gäste zu sehen war. Die Kaiserslauterer hatten sehr häufig Schwierigkeiten den Ball durch die Reihen der Sentinels zu befördern. Auf der anderen Seite gelang dies häufig deutlich besser und so war es auch nicht sonderlich überraschend, dass die ersten Punkte durch die Hausherren erzielt werden konnten.

Ein wunderschöner langer Pass auf die rechte Seite, der fast freistehend gefangen und problemlos in die Endzone getragen werden konnte. Das sah richtig gut aus; hatte schon GFL Niveau.

Folgend bewegte sich das Spielgeschehen mal etwas vor und wieder zurück; es setzten gelbe Flaggen ein, die das Spiel etwas erschwerten, aber tatsächlich auch ihre Berechtigung hatten.

Dann waren es aber wieder die Sentinels, die den Vorwärtsgang einschlugen und mit einigen guten Pässen und Läufen gefährlich nahe an die Endzone kamen. Dabei zeigten aber auch die Gäste, dass sie eine gute Verteidigung hatten, denn so mancher Pass erreichte den Empfänger nicht; auch wenn es schon teils sehr knapp war.

Trotzdem erkämpften die Hausherren den nächsten Touchdown, der einer kleinen Kraftleistung gleichkam. Einmal durch die Verteidigung hindurch und schon kam der ballführende Spieler in die Endzone, in welcher er erst gestoppt werden konnte. Einen Tick zu spät aus Sicht der Lauterer.

Die Extrapunkte waren jeweils gut, so dass es mit dem 14:0 für die Wächter in die Halbzeitpause ging.

Im dritten Viertel war gut was los, denn zunächst konnten die Sentinels den Ball erobern, wovon sie nicht viel hatten, denn im Angriffsversuch folgte eine Interception der Gäste, die daraus sogar noch größeres Kapital mit den weiteren Angriffsversuchen schlagen sollten. Auch hier war es ein schöner Pass, der bis in die Endzone getragen werden konnte.

So verkürzten die Gäste auf 14:7, was aber die einzige Erfolgsmeldung an diesem Tag für die Gäste sein sollte.

Der direkte Gegenangriff endete kurz vor der Endzone der Lauterer. Es war kein Problem für den Ballträger in die Endzone zu spazieren, da die Vorblocker den Weg freimachten.

Ganz einfach und schnörkellos den alten Abstand wiederhergestellt.

Währenddessen wurde das Aufkommen von Flaggen wieder häufiger, was die Hausherren aber nicht daran hinderte, noch einmal zu punkten. Zwar wurde der Extrapunkt bei diesem Versuch geblockt, aber mit 27:7 konnten sie das Spiel für sich entscheiden.

Letztlich war es ein toller Tag in der Kurstadt und in gewisser Weise fühle ich mich rehabilitiert. Rehabilitiert mit dem Wissen, dass es in meiner Gegend so viel tollen und noch mehr tollen Football gibt, dass es wahrlich schwer ist, sich für einen der vielen sich überschneidenden Termine zu entscheiden.

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