Löwen Frankfurt – Heilbronner Falken – 27.10.2017

Die Rollen des Favoriten und des Aussenseiters waren vor dem Spiel verteilt. Frankfurt als Tabellenzweiter und bisher noch ohne Niederlage nach 60 Minuten traf auf den Vorletzten aus Heilbronn.

Ich hatte mich nun auf ein Spiel eingestellt, das entsprechend dieser Vorzeichen ablaufen würde, aber, wie es nun einmal so ist, kommt es anders und als man denkt.LFHF271017 (1 von 54)

Zum ersten Drittel:

In diesem Spielabschnitt suchte man vergebens nach größeren Highlights. Insgesamt wirkte das Spiel über die ersten 20 Minuten nicht so, als würde der 2. gegen 13. spielen. Während Heilbronn die ersten Chancen herausspielte, schien die Frankfurter Mannschaft noch nach ihrer Form zu suchen. Diese hatten ihre erste richtig gute Chance bei eigener Unterzahl, als ein abgefangener Pass zu einem Alleingang auf das Tor der Heilbronner führte, aber ohne Erfolg blieb.LFHF271017 (6 von 54)

Die womöglich spektakulärste Szene im ersten Drittel haben die beiden Hauptschiedsrichter relativ schnell unterbunden, als es vor dem Frankfurter Tor zu einer kleinen Rauferei gekommen war, die bestimmt mit einer Boxeinlage geendet hätte. Schade, aber so ging es ohne weitere nennenswerte Szenen in die erste Drittelpause.

 

Zum zweiten Drittel:

Ab diesem Drittel sollte das Spiel ganz anders, nicht unbedingt schöner, aber anders, werden.

Gerade als Heilbronn wieder vollzählig war und die Frankfurter noch in der Offensive, gelang den Heilbronnern ein schöner Konterlauf, der mit dem ersten Tor des Abends abgeschlossen wurde. Es stand nun also aus Frankfurter Sicht 0:1. Dass diesem Spiel dieses Tor guttun sollte, wurde erst im späteren Verlauf des Spiels klar.LFHF271017 (16 von 54)

Zunächst verfiel das Spiel aber wieder in den Zustand des ersten Drittels. Frankfurt suchte nach der Form, zumindest nach einer guten und Heilbronn spielte das, was sie konnten. Dann kamen 47 (Spiel)Sekunden, in denen die Frankfurter einen totalen Blackout hatten.

Es begann mit dem 2:0 für Heilbronn. Zuvor hatten sie bereits eine gute Chance, die abgewehrt werden konnte. Jedoch hatte die Frankfurter Verteidigung ihre Schwierigkeiten den Puck zu klären und so arbeitete Heilbronn den Puck in das Tor.

Das 3:0 für Heilbronn fiel nur 9(!) Sekunden später. Nach Bullygewinn folgte ein Pass auf die linke Offensivseite der Heilbronner. Der Stürmer konnte in Höhe des Bullykreises schießen und der Schuss krachte in den Winkel. Ein Sonntagsschuss, der wohl nur einmal in der Saison in dieser Form erfolgreich ist; und das war an diesem Abend der Fall.

Die Trainerbank Frankfurts reagierte und erlöste den Goalie der Löwen an diesem Abend bereits nach diesem Tor. Er hatte keinen Sahnetag erwischt und sah bei den Gegentoren bis dahin auch unglücklich aus. Wobei man dazu sagen muss, dass die Verteidigung Frankfurts auch ihre Mitschuld an diesem Spielstand hatte.

Der Effekt, den die Frankfurter Trainer erreichen wollten, blieb aber zunächst aus. Nur weitere 38 Sekunden später durfte auch der eingewechselte Löwen-Torwart den Puck hinter sich aus dem Netz fischen. Da stand es plötzlich 0:4 aus Frankfurter Sicht. Die Heilbronner erarbeiteten sich erneut gute Chancen und eine davon rutschte durch die Beine des Torwarts hindurch in das Tor. Vielleicht war einfach noch nicht warm.LFHF271017 (21 von 54)

Zu diesem Zeitpunkt war die Führung für Heilbronn auch in dieser Höhe absolut verdient. Sie spielten nach ihren Möglichkeiten und erarbeiteten sich die Tore. Es blieb nur zu hoffen, dass sich die Frankfurter wieder besannen und ein schlimmeres Debakel verhindern können.

Mal so zwischendurch: es waren insgesamt 3.567 Zuschauer zu diesem Spiel gekommen, wovon sich nach dem 0:4 einige „Schönwetterfans“ bereits auf den Weg nach Hause machten. Apropos Fans: Vielerorts wird bei so einem Zwischenstand und der nicht vorhandenen Leistung gepfiffen und die eigene Mannschaft beschimpft. Das war nicht der Fall, wenngleich die Anfeuerungen eher verhalten waren.

Hatte die Mannschaft aus Frankfurt Charakter oder ergaben sie sich? Es dauerte jedenfalls nur eine Spielminute ehe auch die Heimmannschaft auf die Anzeigetafel durfte. Das bejubelte 1:4 war gefallen. Nicht schön, auch nicht wirklich gut herausgespielt. Aber der Puck war im Tor.LFHF271017 (29 von 54)

Besser, bzw. ansehnlicher, wurde das Spiel aber nicht. Es wies weiterhin Parallelen aus dem ersten Drittel auf, wenngleich die Frankfurter nun mehr kämpften und sich gegen weitere Gegentore stemmten, so gut sie nur konnten. So dauerte es knappe 8 Minuten, bis eine Überzahlsituation mit weiteren guten Chancen für Frankfurt entstand. Eher untypisch für eine Überzahlsituation wurde ein langer Pass an die blaue Linie gespielt, der einen ungehinderten Alleingang zum Tor ermöglichte und mit dem 2:4 abgeschlossen wurde. Dieses Tor wurde schon kräftiger bejubelt.

Exakt eine Minute später stand es auf einmal 3:4. Die Aufholjagd der Löwen hatte also begonnen und erfolgreiche Züge angenommen. Zwar war es erneut kein schönes Tor, aber so lange der Puck dort untergebracht wird, wo er rein muss, fragt keiner danach.

In den letzten Minuten dieses Drittels, auch begünstigt durch eine weitere Überzahlsituation ergaben sich nun weitere Chancen für Frankfurt, die aber nicht in ein Tor umgemünzt werden konnten. So ging es mit einem 3:4 in die Drittelpause.

 

Zum dritten Drittel:

Zwar rechnete man nicht unbedingt damit, dass die Optik des Spiels schöner werden würde, aber trotz vieler kleiner Fehler im Frankfurter Spiel kämpften sie tapfer weiter und zogen auch das Tempo an. Doch nach vier Minuten, in denen sich die Spieler Frankfurts abmühten, konterte Heilbronn und machte das 5:3.

Es wäre durchaus verständlich gewesen, wenn die Frankfurter nun die Köpfe hängen gelassen hätten. Aber das Gegenteil war der Fall. Aufopferungsvoll kämpften sie weiter. Eine erneute Überzahlsituation verschaffte ihnen die Möglichkeit wieder heranzukommen.

Und tatsächlich, das 4:5! Alles jubelte und selbst die Spieler aus Heilbronn nahmen es erstmal hin. Aber die Schiedsrichter hatten das Tor wohl nicht sehen können. Zugegeben, der Schuss ging wohl entweder an die Latte des Tores und durch irgendwelche, unerklärlichen Spiegelungen oder optische Täuschungen sah es für alle so aus, als wäre der Puck am hinteren Gestänge des Tores gewesen. (Ein bisschen Sarkasmus muss sein, denn ich bin überzeugt davon, dass der Puck IM Tor war; und da war ich nicht der Einzige).LFHF271017 (36 von 54)

Aber es dauerte lange, sehr lange, bis die Schiedsrichter vom Videobeweis zurückkamen und zum Erstaunen und Unmut der Frankfurter Spieler und Fans auf kein Tor entschieden. Ich möchte den Schiedsrichtern keine böse Absicht unterstellen, da ich die Kameraperspektiven nicht kenne, auf die sie Zugriff haben.  Und wenn sie sich nicht zu 100% sicher sind, dann können sie das mögliche Tor auch nicht geben.

Also weiter 3:5 und weiter in Überzahl. Die Frankfurter erhöhten den Druck und erspielten sich in dieser Überzahl auch weiter gute Chancen und dann war es passiert. Das 4:5, an dem auch die Schiedsrichter nichts auszusetzen hatten, war gefallen.

Nun wurden die Spieler Heilbronns sichtlich nervös und kamen kaum noch zu nennenswerten Offensivaktionen. Dafür aber die Löwen, welche zwar immer noch nicht so spielten, wie gewohnt, aber dies durch Kampf, Einsatz und Willen wettmachten.

Gerade einmal eine Spielminute nach dem 4:5 fiel auch das 5:5. Großer Jubel in der Halle und auf dem Eis. Damit hatte man nicht gerechnet. Vielleicht gehofft, aber gerechnet? Eher nicht. Umso schöner aus Frankfurter Sicht, dass es doch passierte. Die Angriffsbemühungen, die nun deutlich größer und zielgerichteter waren, als in beiden Dritteln zuvor, machten sich bezahlt.LFHF271017 (37 von 54)

Heilbronn hatte nun sichtlich Probleme mit diesem Tempo mitzuhalten und dem Druck, den die Löwen nun auf das Tor Heilbronns machten, entgegen zu treten. So konnten die Frankfurter nach ein paar Minuten erneut in Überzahl spielen. Diese spielten sie sehr konzentriert aus und nutzten diese auch zum 6:5. Man konnte es beinahe fühlen, wie ein riesengroßer Felsbrocken von den Spielern Frankfurts herunterfiel. Auch die Fans konnten es kaum fassen und so bebte die Eissporthalle im Jubel der Spieler und Fans.

Nun schien den Frankfurtern auch wieder alles zu gelingen. Die Offensive spielte druckvoll weiter und belohnte sich mit dem 7:5, das erneut schön herausgespielt war. Die Spieler Heilbronns waren meistens einen Schritt zu spät und wirkten auch ziemlich niedergeschlagen ob dessen, was insbesondere in diesem Drittel auf sie zugerollt kam. Man kann es ihnen aber auch nicht verübeln.

In einer weiteren Überzahlsituation konnten die Löwen den Spielstand sogar noch auf 8:5 stellen. Was für ein Fest, mit dem wirklich keiner mehr gerechnet hatte.

Zwar hatten die Heilbronner im Verlauf des Drittels noch ein paar Akzente in der Offensive gesetzt, aber mehr als Akzente konnten sie nicht herausspielen. Zudem ließ der Frankfurter Torwart auch nichts mehr zu, so dass es mit dem 8:5 endete und die Mannschaft aus Frankfurt zurecht von ihren Fans bejubelt und gefeiert wurde.LFHF271017 (51 von 54)

Löwen Frankfurt – Heilbronner Falken 8:5 (0:0 3:4 5:1)

Noch ein paar Worte an die Schönwetterfans, die das Spiel beim zwischenzeitlichen Stand von 0:4 verlassen haben: ihr dürft euch gepflegt in den Allerwertesten beißen, denn ihr habt etwas geniales verpasst. Getreu dem Motto: It ain’t over until the fat lady sings.

 

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