Löwen Frankfurt – Lausitzer Füchse – 28.12.2017

Nach diesem Spiel brauchte ich eine Weile um etwas Abstand von den Emotionen zu bekommen, die sich an diesem Abend auftaten. Einmal drüber schlafen und den Kopf mit anderen Dingen füllen, ehe ich mich diesem Bericht annehmen konnte.

Gut gefüllt war es in der Eissporthalle mit 5.434 Zuschauern, die sich dieses Spiel gegen die Mannschaft aus Weißwasser ansehen wollten. Auch zahlreiche Gästefans waren vor Ort. Übrigens liegt der Zuschauerschnitt in Frankfurt pro Spiel bei 4.636 Zuschauern. Das ist der Spitzenwert in der DEL 2 – mit 1.350 Zuschauern im Schnitt mehr vor den Kassel Huskies, die Rang 2 in dieser Statistik belegen.

Noch ein interessanter Fakt zu dem Zuschauerschnitt: Mit 4.636 Zuschauern pro Spiel würde man in der DEL auf Rang 7 stehen und damit folgende Mannschaften hinter sich lassen: Iserlohn, Bremerhaven, Krefeld, München(!), Schwenningen, Straubing, Ingolstadt und Wolfsburg.

So viel zu den Zuschauern, aber noch eine ganz andere Statistik, die ich mal an dieser Stelle zu den Löwen aufführen möchte. Es geht dabei um die Strafzeiten. Das ist ebenfalls eine Statistik, die die Löwen mit Abstand zum 2. anführen. (Das Spiel gegen die Lausitzer Füchse ist schon mit eingerechnet)

Mit 597 Strafminuten nach 30 Spielen spielt Frankfurt durchschnittlich ein ganzes Drittel pro Spiel in Unterzahl. Die Heilbronner Falken, welche den zweiten Rang belegen, haben „nur“ 455 Strafminuten auf der Uhr nach ebenfalls 30 Spielen.

Aber nun mal langsam zum Spiel und zum ersten Drittel:

Es war ein schönes Spiel, ein schnelles Spiel, mit vielen Chancen auf beiden Seiten und wenigen Unterbrechungen. So möchte ich Eishockey sehen. Ein Spiel, in dem sich beide Mannschaften wenig schenken und die Schiedsrichter nur eine Nebenrolle bekleiden.

In Sachen Chancenverwertung waren aber beide Mannschaften nicht besonders gut. Wenn die Schüsse nicht durch beide Defensiven aufgehalten und geblockt wurden, entschärften sie die Torhüter.

Auch bei den Überzahlsituationen zeigten beide Mannschaften in diesem Drittel starke Abwehrarbeit. Aber kurz vor Ende des Drittels, nach einer Unterzahlsituation, die die Frankfurter überstanden, kamen diese nochmal zu einer Konterchance. Links vor dem Tor der Füchse sollte ein Querpass kommen, der jedoch abgefälscht wurde und den Weg ins Tor fand. Da war auch der Torhüter machtlos und musste hinter sich greifen.LFLF281217 (12 von 47)

Dieses durchaus interessante Spiel, bis zu diesem Zeitpunkt, ging mit einer 1:0 Führung für die Löwen in die erste Drittelpause.

Zum zweiten Drittel:

Das schöne Spiel aus dem ersten Drittel wurde nun mehr und mehr langsamer und der Spielfluss wurde auf beiden Seiten gehemmt. Das lag nun weniger an beiden Teams selbst, eher mehr an den Schiedsrichtern, die mit ihren Entscheidungen für Unmut sorgten. Das aber auf beiden Seiten. Problematisch wird sowas meistens dann, wenn kleinlich gepfiffen wird, aber keine glasklare Linie in der Spielführung zu erkennen ist.

Das sorgte natürlich für deutlich mehr Unterbrechungen und Strafzeiten und die Defensivabteilungen sahen in diesem Drittel auch nicht mehr so gut aus. In einer Überzahlsituation der Füchse kamen sie auch zum 1:1 Ausgleich, wobei das Tor mehr einem Konter glich, der mit einem Schuss aus dem linken Bullykreis zum Torerfolg führte.

Zwar versuchten sich die Löwen von diesem Rückschlag schnell zu erholen und fuhren ihrerseits Angriffe, wurden aber mit der nächsten Unterzahlsituation konfrontiert, in der auch das 1:2 und somit die Führung für die Füchse fiel.LFLF281217 (19 von 47)

Nur kurze Zeit später durften die Löwen ihrerseits in Überzahl antreten und waren ebenfalls erfolgreich. Ein schnelles 2:2 stand somit auf der Anzeigetafel, doch es gab den Videobeweis, welcher aber nach kurzer Zeit das Tor bestätigte.LFLF281217 (27 von 47)

So begann das Spiel sozusagen wieder von vorne. Die Schnelligkeit aus dem ersten Drittel erreichte es aber nicht mehr, zu verunsichert wirkten beide Seiten ob der unklaren Linie der Schiedsrichter, die langsam immer mehr in den Fokus rückten und mit ihren Entscheidungen immer wieder für fragende Gesichter sorgten.

Viele Chancen gab es in dieser Phase nicht, und die, die es gab, versiebten zumeist. Dafür gab es gegen Drittelende die nächste Strafzeit gegen die Füchse. Und auch diese Überzahlsituation wurde von den Löwen mit einem Tor erfolgreich ausgespielt. Zwar war das Tor verschoben und es gab erneut einen Videobeweis, aber auch dieses Tor blieb auf der Anzeigetafel.

Wie erwähnt, war das Tor verschoben und musste wieder in die Verankerung gebracht werden. Da das ein wenig dauerte, entschieden die Schiedsrichter, dass die Drittelpause etwas früher beginnt. So blieben noch 1:40 im zweiten Drittel übrig, die nach der Pause fertig gespielt wurden.LFLF281217 (29 von 47)

Noch eine kleine Anekdote zum zweiten Drittel, in welchem sich die Schiedsrichter den Unmut der Zuschauer stellen mussten. Es flog ein Gummihuhn auf das Eis, aber die Schiedsrichter waren sich zu fein bei dieser spaßigen Tradition mitzumachen und sich als „Hühnerdieb“ titulieren zu lassen. Verständlich, dass dadurch der Unmut der Frankfurter Zuschauer noch größer wurde.

Dafür dachte sich der Füchse-Spieler mit der Rückennummer 10 (Maximilian Adam): „dann räume ich das Huhn eben auf und werfe es hinter unsere Spielerbank“. Das machte er auch. Dass es eine Unsitte in Frankfurt ist, wusste er wohl nicht. Und so musste er in der Folge damit leben, dass er ausgepfiffen wurde, sobald er in Puckbesitz war. Vermutlich wusste er nicht einmal, was er falsch gemacht hatte um diese Reaktionen des Publikums zu erhalten. Immerhin ist sein Bekanntheitsgrad in Frankfurt spontan durch die Decke gegangen.

Zum dritten Drittel:

Dieses Drittel begann mit einer Strafe gegen die Füchse, wenngleich man diese meines Erachtens gar nicht hätte geben müssen. Aber wenn sich die Schiedsrichter nicht schlüssig sind, bei einem eingeklemmten Puck an der Bande, das Spiel zu unterbrechen und mit einem Bully weiterzuführen, dann kommt eine Spielverzögerung dabei raus.

Diese Überzahl wurde nicht genutzt und so ging es in diesem Drittel weiter. Viele Nicklichkeiten blieben ungeahndet und Strafzeiten wurden nach, sagen wir, Eigenermessen ausgesprochen. Dass diese Art der Spielführung bei keinem so wirklich, und insbesondere bei den Frankfurter, Anklang fand, war auch auf dem Eis zu sehen. Häufige Diskussionen mit den Schiedsrichtern und Hinweise auf Szenen, die ignoriert wurden, waren eine Folge der schwachen Schiedsrichterleistung.

Dennoch gelang den Frankfurtern das 4:2 fünf Minuten vor Spielende. Natürlich in Überzahl. Und was nach diesem Tor passierte entzog sich meinem Verständnis. Dass ein Löwenspieler ungeschickt in den Zweikampf geht und somit eine unnötige Strafzeit gegen sich heraufbeschwört ist eine Sache. Dass sich ein weiterer Spieler dazu hinreißen lässt die Schiedsrichter auf ihre schwache Leistung hinzuweisen eine andere. Jedoch muss das in einem Ton passiert sein, der dazu führte, dass dieser mit einer Disziplinarstrafe belegt wurde und somit Feierabend hatte. Grund hierfür war eine weitere Strafzeit gegen Frankfurt, zu der ich nicht viel sagen kann, denn die Szene passierte auf der mir gegenüberliegenden Seite. Die Vermutung liegt jedoch nahe, dass beide Spieler eine Meinungsverschiedenheit hatten oder einen robusten Zweikampf führten, wovon aber nur einer letztendlich mit einer Strafe belegt wurde.

Diese Vorlage, die die Löwen mit den Schiedsrichtern zusammen lieferten, wurde auch umgehend doppelt bestraft. Bei doppelter überzahl fiel das 4:3 und bei einfacher Überzahl das 4:4.LFLF281217 (41 von 47)

Nun war so ziemlich alles von der Rolle, was von der Rolle sein kann. Die Löwen mit ordentlich Wut im Bauch und die Schiedsrichter kopflos. Es war doch so ein schönes Spiel zu Beginn. Jedenfalls gab es kurz vor Schluss eine Szene, die klarer nicht hätte sein können, aber ungeahndet blieb.

Dabei ist mir aufgefallen, dass ein Schiedsrichter gerade damit beschäftigt war die Teile eines zerbrochenen Schlägers aufzusammeln – während das Spiel lief(!) und somit diese Szene gar nicht sehen konnte. Ein Spieler der Löwen setzte zum Kontern an und wurde daran mit einem Beinstellen gehindert. Wenigstens der zweite Schiedsrichter hätte das sehen müssen. Blieb aber regungslos. Dafür wurde das Revanche Foul mit einer Strafzeit geahndet. Ob es nun so clever war, sich kurz vor Schluss zu so einer Tat hinreißen zu lassen, sei mal dahingestellt. Wobei, nein, eigentlich war es nicht sonderlich clever. Gerade, wenn man weiß, dass die Schiedsrichter kleinlich und nach ihrem Ermessen pfeifen, wäre es besser gewesen, sich zu beherrschen. Und wenn man das nicht kann, dann bitte Handschuhe aus und dem Gegenspieler zeigen, dass man die Faxen dicke hat. Dann lohnen sich diese zwei Strafminuten wenigstens noch.

Dass diese Szene erneut für Zündstoff, Diskussionen und mehr sorgte, war zu erwarten und so kam es auch. Selbst auf der Trainerbank Frankfurts wurde es laut, sogar so laut, dass man den Trainer Frankfurts durch das Stadion hören konnte. Das will mal was heißen. Leider gab es dafür direkt die nächste Strafzeit, welche dazu führte, dass die Löwen in doppelter Unterzahl spielen mussten. Zwar gelang es ihnen das 4:4 noch über die Zeit zu retten, aber in der Overtime passierte, was passieren musste: Weißwasser machte das entscheidende Tor und gewann dieses Spiel mit 4:5 nach Verlängerung.LFLF281217 (47 von 47)

Wenn damit auch das ganze Theater vorbei gewesen wäre, wäre es schön gewesen, aber der Ablauf der Geschehnisse ließ dies einfach nicht zu. Erneut wurden Diskussionen mit den Schiedsrichtern geführt, woraufhin ein weiterer Löwenspieler nach dem Spiel eine Disziplinarstrafe erhielt – wegen Beschimpfung von Offiziellen.

Aber auch von den Rängen kamen Pfiffe und Buh-Rufe und das in einer Laustärke, die ich so noch nicht erlebt habe. In all den Jahren nicht. Ganz laut wurde es dann noch, als die Schiedsrichter zuletzt das Eis verließen.

Nun gut, die Schiedsrichterleistung an diesem Abend war unterdurchschnittlich und für Profisport nicht zumutbar. Das gilt für das gesamte Spiel, also für beide Mannschaften.

Löwen Frankfurt – Lausitzer Füchse 4:5 n.V. (1:0 2:2 1:2 0:1)

Beide Trainer haben sich in der Pressekonferenz nach dem Spiel einheitlich dazu entschieden nichts zu der Schiedsrichterleistung zu sagen, da dies ohnehin von Seiten der DEL2 nicht gewünscht wird. Aber das ist schon Aussage genug.

Da ich aber kein Offizieller bin, richte ich nun ein paar Worte an einen der beiden Schiedsrichter:

Werter Herr Ulrich Hatz, bitte geben Sie das Karnevalskostüm, das Sie fälschlicherweise zum Eishockeyschiedsrichter macht, wieder zurück an den Kostümverleih. Falls es doch Ihnen gehört, verbrennen Sie es bitte, legen es dann in eine Urne, verbrennen auch diese, verstreuen die Asche im Wald und gehen bitte Ihrer Tätigkeit als Architekt nach, welche Sie (hoffentlich) besser beherrschen. Bitte hören Sie auf, den Sport, den wir so sehr lieben, weiterhin zu malträtieren. Sehr viele Menschen wären Ihnen sehr dankbar dafür. Sie standen nun schon so oft in der Kritik und wenn man Ihren Namen googelt, dann finden sich zahlreiche Beiträge mit den Titeln „Skandalspiel“ usw. Das sollte Ihnen doch mittlerweile zu denken geben. Ich bitte Sie also im Namen sehr vieler Geschädigter die Finger vom Eishockey zu lassen. Recht herzlichen Dank.

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