Meine Katze Lea

Die Kleine hat sich einen Beitrag in meinem Blog redlich verdient. Seit fast eineinhalb Jahren ist sie nun Teil meines Lebens und wegdenken kann ich sie mir nicht mehr. Ich bin also nur mit Katze zu haben – wenn ich das mal so sagen darf.

Mittlerweile ist die Kleine eine fast perfekte Katze, die ihre Eigenheiten hat. Aber welche Katze hat diese nicht? Doch das war mal ganz anders. Die kleine Lea hatte es nämlich nicht leicht.

IMG-20160712-WA0002Am 12.06.2016 kam sie zu mir. Knapp 3 Monate alt, noch ganz klein und total ängstlich und verunsichert. aber das war auch kein Wunder, nach dem ich nochmal meine Erinnerungen durchgegangen bin. Die Vorbesitzerin bezeichnete das arme Wesen als Problemkatze. Sie würde nicht miauen, sich nur verstecken, mit Schuhen spielen; natürlich nur nachts und wenn man sie auf den Schoß nehme, dann würde sie nur zittern. Letztere Aussage warf in mir Fragen auf, die ich aber nicht äußerte.

Als mir die Dame die Kleine brachte, kam dann noch heraus, dass sie von ihrem Freund / Mann – wie auch immer – zunächst ein paar Tage in einem Karton gehalten wurde, ehe sie zu der Frau mit ihren drei Kindern kam. Ein Baby, das natürlich noch viel schrie, ein kleiner Junge – Kindergartenalter und ein Mädchen, vielleicht 11 Jahre alt. Vermutlich hatte die Kleine nicht die geringste Chance sich eingewöhnen zu können und wurde – nach dem bemessen, was ich so gehört habe – weniger als Lebewesen und mehr als „Plüschtier“ betrachtet. Es gab noch nicht einmal eigenes spielzeug für die Kleine, geschweige denn eine Transportbox oder eine vernünftige Katzentoilette. Letztere Sachen waren nur ausgeliehen von einer Nachbarin.

IMG-20160714-WA0002

Sie war noch so klein, dass sie gut unter dem Bett sitzen konnte. Sie verbrachte dort die meiste Zeit des Tages. Es sei denn sie hatte Hunger oder musste aufs Toilettchen, dann kam sie hervor. Aber trotz ihrer Unsicherheit erkundete sie die Wohnung und war sichtlich überfordert mit all dem Spielzeug, das ihr zur Verfügung stand.

Immer wieder blickte sie dabei zu mir, schätzte ab, ob sie sicher war und was ich machte, spielte dann weiter oder verschwand wieder unter dem Bett. Wenn sich unsere Wege gekreuzt haben, wurde ich entweder angefaucht oder sie rannte ganz schnell weg. An Annäherung war lange Zeit, also mehrere Wochen, absolut nicht zu denken.

Ich hatte mir zwischenzeitlich überlegt, da kein Pass vorhanden war, dass sie am 04.04.2016 auf die Welt gekommen sein könnte. Das würde gut passen und ist auch ein einfach zu merkendes Datum. Dennoch war ich etwas traurig und die Kleine tat mir doch sehr leid. Sie war wirklich nicht das, was man sich im Allgemeinen unter einer jungen Katze vorstellt. Sehr distanziert und die Nähe suchte sie selbstverständlich noch nicht, obwohl man ihr anmerkte, dass sie durchaus gern welche hätte.

Immerhin dauerte es nur wenige Tage, bis sie sich neue Liegeplätze suchte, die wesentlich bequemer und heller waren, als die Dunkelheit unter dem Bett. IMG-20160720-WA0027

IMG-20160723-WA0014Unischer war sie mir gegenüber noch immer, aber das Fauchen hörte irgendwann auf und wenn sie so entspannt auf dem Kratzbaum lag, konnte ich mich ihr auch nähern. Selbstverständlich stand ich weiterhin unter akuter Beobachtung, aber nicht nur ich, sondern auch mein Essen wurde unter die Lupe genommen, und das sogar aus der Nähe. Mit Essen und Leckereien ließ sich die Kleine also bestechen. Das funktioniert seither noch immer ganz gut. Anfassen war jedoch weiterhin ein Tabu, dafür war es schon ganz angenehm zu sehen, dass sie sich mehr und mehr in der Wohnung und nicht nur unter dem Bett aufhielt.

Nach und nach entspannte sie sich immer mehr und wurde auch ganz schnell größer. Immer wieder konnte ich mich in ihre Nähe stellen und sie vorsichtig an ihrem Wedel und den Hinterbeinen berühren. Bei anderen Stellen bekam ich sofort auf die Hand gehauen; ohne Krallen. Und am 28. August 2016 war es dann so weit: sie ließ die Berührungen und ein leichtes Kraulen zu und genoss es sogar.

Seit diesem Zeitpunkt entspannte sie sich immer weiter und wurde auch deutlich zutraulicher. Sie lag meist in meiner Nähe und begutachtete mich umso genauer. Aus der Nähe sogar. Sich streicheln zu lassen war nun ein sehr wichtiger Tagesordnungspunkt und sehr häufig wollte sie an den Hinterbeinen gestreichelt werden. Was sie dabei sehr genießt ist, wenn dabei die Beinchen geschaukelt werden. Das liebt sie heute genauso sehr wie damals schon.

IMG-20161216-WA0002Mit dieser Veränderung, dem Ablegen der Scheu, hatte ich nun eine kleine flauschige Klette an mir hängen, die mir überall hin folgte, um zu sehen was ich so mache. Ob Küche, Bad, Schlafzimmer oder Wohnzimmer; sie kam immer wenigstens zum Schauen vorbei.

Langsam aber sicher wurde ihr Verhalten katzentypisch. Selbstverständlich mit Eigenheiten, denn zu meiner Überraschung war und ist sie bis heute eine eher ruhige Katze, die gerne auf dem Boden lebt. Natürlich kletter sie auch auch ab und an mal herum, aber die Bezeichnung Bodenkatze ist schon treffend. Insbesondere, wenn sie sich in meine Nähe begibt.

Ein paar Dinge klappen jedoch bis heute nicht. Das wird wohl an ihrer eher unschönen Vergangenheit liegen, die sie erleben musste. Weder mag sie auf den Schoß, noch findet sie es angenehm auf den Arm genommen zu werden. Zwar ist es mittlerweile so, dass sie sic hochheben lässt ohne in Panik zu geraten oder sich an dem, was gerade da ist, festzukrallen. Natürlich ist das sehr schade, dass es noch nicht funktioniert, aber so ist es eben nun einmal und aufzwingen kann und werde ich es ihr nicht.

Ich bin schon froh, dass sie sich so positiv entwickelt hat und alles Andere als eine Problemkatze ist. Die Probleme lagen definitiv woanders und nicht bei ihr. Jeder Blick, jedes Schnurren von ihr, das Spielen und ihre Aufforderungen sind allesamt Balsam für meine Seele. Wenn ich sie sehe, weiß ich, dass ich der Kleinen ein gutes Leben geschenkt habe und weiterhin schenke. Ihre Dankbarkeit zeigt sie auf ihre Weise.

Es ist wahrlich so, dass ich viel von ihr träume; sie ist mir sehr wichtig geworden. Ich vermisse sie auch, wenn ich lange unterwegs bin und erst recht dann, wenn ich mal über nacht wegbleibe. Dann fehlt mir einfach das Wissen um ihre Nähe. Und manchmal, wenn die Kleine mich überraschen möchte, kommt sie zu mir auf die Couch oder aufs bett und kuschelt sich richtig an. Diese Momente sind etwas seltener aber dann umso schöner. IMG-20170524-WA0011

Mittlerweile akzeptiert sie auch Besucher und zeigt sich dann interessiert und neugierig. Selbstverständlich bleibt sie zumeist etwas distanziert, aber wer regelmäßig kommt, wird dann schon mal anmiaut oder darf sie auch anfassen. Übrigens lässt sie sich auch von meinen Gästen mit Essen bestechen. Mein bester Freund und Kollege weiß davon ein Lied zu singen. Fast jedes Mal muss er die Hähnchenstücke seiner Pizza mit ihr teilen.

Es gäbe zwar noch mehr zu erzählen, aber ich wollte mich hierbei auf das Wesentliche konzentrieren. Ein armes Wesen, das viel Negatives erfahren musste und sich so schön entwickelt hat. Das ist meine Katze Lea.

 

1 comment

giuliablack 26. Dezember 2017 at 17:23

Schön, dass sie sich so positiv entwickelt hat! 🙂 vielleicht kommt sie ja eines Tages selbst dazu auf deinen Schoß zu klettern!

Ich wünsche schöne Feiertage gehabt zu haben und schonmal einen guten Rutsch ins neue Jahr <3

Reply

Kommentar verfassen