Silas Nacita macht den Unterschied. Bericht zum GFL Süd Spiel der Marburg Mercenaries gegen die Ingolstadt Dukes vom 24.06.2018

Es war ein regenfreier aber kühler Sonntag. Mittlerweile komme ich seit fast einem knappen Jahr nicht mehr um American Football herum. Sei es im Fernsehen, über einen Stream oder am liebsten vor Ort. Und vor Ort wollte ich dieses Mal bei den Marburg Mercenaries auch wieder sein. Das Spiel gegen die Dukes aus Ingolstadt versprach durchaus ein gleichwertiges Spiel mit offenem Ausgang.

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Tatsächlich muss ich mittlerweile gestehen, dass mir mehrere Mannschaften sympathisch geworden sind. Klar bin ich Fan der Frankfurter, das steht außer Frage und dieses Team unbedingt auf meinem persönlichen Platz 1. Aber auch die Braunschweiger haben meine Sympathien, genauso wie Marburg und auch Darmstadt. In anderen Sportarten wäre und ist sowas nahezu undenkbar. Heute eine Kappe der Universe und am nächsten Tag jene der Marburger auf dem Kopf. Oder den Rockets aus Offenbach, oder, oder, oder. Schon mal einen Bayern Fan mit Dortmund Kappe und Bayern Trikot (oder umgekehrt) gesehen? Noch krasser wäre die Vorstellung von einem Eintracht Frankfurt Fan, der freiwillig eine Kickers Offenbach Kappe… lassen wir das. Im American Football steht vor allem der Sport im Vordergrund und das soll auch so bleiben.

In Marburg ist so eine unbeschwerte Stimmung in der Luft und obwohl sichtbar weniger Zuschauer als beim letzten Mal da waren, gab es durchaus auch ein bisschen Stimmung auf den Rängen. Der Stadionsprecher musste da auch mal mithelfen, aber in erster Linie waren es die Cheerleader, die den Takt vorgaben.CheersMarburg240618-10

Im Übrigen sind die Cheerleaderinnen in Marburg durchaus noch sehr jung. Damit meine ich nicht den Nachwuchs, sondern die erste Garde. Das ist für mich immer wieder ein Punkt, an dem ich mich manchmal schwertue, Bilder der Cheerleader, die auch in Marburg sehr viel Einsatz zeigen, zu machen und sie dann auch online zu stellen. Das ist nicht nur in Marburg der Fall. Auf der anderen Seite gehören sie jedoch eindeutig zum American Football dazu und haben, so wie ich finde, definitiv ein Anrecht darauf, dass auch ihre Leistungen honoriert werden. Auch mit Bildern ihrer Arbeit, sozusagen. Daher: sollten Bilder dabei sein, die nicht erwünscht sind, bitte kurz via Mail oder Facebook melden.

Apropos Cheerleaderinnen in Marburg. Das bekannte „Defense Go“ wurde auch von ihnen angestimmt, aber sie schienen vorher noch etwas zu rufen. Ich habe nur nicht verstanden, was es genau war. Es klang wie eine Aufforderung an die Zuschauer, aber auf Englisch. Weiß da jemand mehr?

Jedenfalls waren die Zuschauer, es waren so zwischen 700 und 800, bereit für das Spiel, nachdem die Ingolstädter vorgestellt und die Mercenaries eingelaufen waren. Münzwurf, Seitenwahl und schon ging es auch los.

MMID24062018-9Aus Marburger Sicht ging es auch sehr gut los und die ersten Punkte, der erste Touchdown, war so schnell erledigt, dass sich die Dukes gewiss noch umgesehen haben, wie das passieren konnte. Der Versuch des Extrapunkts wurde zwei Mal wiederholt und war dann in Ordnung, aber ging nicht durch die Stimmgabel. Zu Beginn gab es einiges an Flaggen und ich befürchtete schon ein weiteres Flag Footballspiel, das es glücklicherweise nicht geben sollte.

In der Folge verspielten die Gäste aus Ingolstadt ihre Möglichkeiten und gaben den heimischen Söldnern mehrmals die Möglichkeit zu punkten. Im ersten Viertel reichte es aber nur zu einem Field Goal, dafür gab es direkt zum Auftakt des zweiten Viertels den nächsten Touchdown. Das war dann auch der zweite schöne Pass vom Ersatzquarterback Silas Nacita, der damit zum 16:0 Zwischenstand stellte. Der Extrapunkt war gut und das ist auf der Seite, rechts von der Haupttribüne, nicht ganz so einfach, denn diese Stimmgabel scheint mit dem schiefen Turm von Pisa in einem Verwandtschaftsverhältnis zu stehen.

Wie im Spiel gegen Frankfurt fingen die Ingolstädter erst nach diesem Rückstand an, das Spiel selbst zu gestalten und in Richtung Endzone zu gehen. Aber die Verteidigung der Marburger stand und erlaubte nicht mehr als ein Field Goal zum 16:3. Schnell wurden die Dukes aber auf den Boden der Tatsachen geholt, denn der nächste Touchdown Marburgs folgte. 23:3 war nun der Zwischenstand und es sah bis hierhin nicht so aus, als ob die Ingolstädter großartig etwas entgegenzusetzen hatten. Schließlich war es aber der eigene Quarterback, der den ersten Touchdown mit einem kurzen Lauf machen konnte und den Halbzeitstand von 23:10 setzen konnte. Diese Offensivaktion der Ingolstädter sah schon besser aus und machte den Gästen sicherlich noch Hoffnung für die zweite Halbzeit.MMID24062018-41

In dieser sollte sich zunächst die Hoffnung der Gäste bestätigen, denn sie kamen besser aus der Kabine, bzw. zurück aufs Feld, und konnten nach einem langen Angriff den nächsten Touchdown erzielen. Nur noch 23:17. Sollte sich da etwas anbahnen?

Zunächst sah es tatsächlich danach aus, denn Marburg kam nicht vorwärts. Durch Strafen ging es sogar nah an die eigene Endzone heran. Das hätte die Chance für Ingolstadt sein können, wäre da nicht zum einen Silas Nacita und zum anderen sein dazugehöriger Wide Receiver mit der Nummer 82 (Hendrik Schwarz), der sich aus der Bewachung und den Augen der Ingolstädter Verteidiger schlich und perfekt angespielt wurde. Den Spaziergang zum Touchdown über knapp die Hälfte des Spielfelds erledigte er problemlos und damit wurde der Zwischenstand auf ein etwas beruhigenderes 30:17 gestellt.

Zwar gaben sich die Ingolstädter nicht geschlagen, kamen aber nicht mehr heran. Die Marburger Verteidigung, aber auch die Offensivabteilung machten ihre Aufgaben gut, ließen nur noch einen Touchdown zu und am Ende die Uhr herunterlaufen. So endete das Spiel mit 30:24 Sieg für Marburg, die damit ihre Ambitionen auf den dritten Platz in der GFL Süd unterstrichen haben.

Der alles entscheidende Faktor in diesem Spiel hatte meines Erachtens nach einen Namen: Silas Nacita. Er spielt nicht nur Football; er lebt Football. Zwar ist er eigentlich kein hauptberuflicher Quarterback, aber seine Pässe, die zu den Touchdowns geführt haben, waren schon sehr genau gespielt und sprechen absolut für seine Übersicht auf dem Feld.MMID24062018-14

Aber nicht nur das. Nein, er läuft auch gerne und schnell und ist dabei nicht wirklich oft schnell aufzuhalten. Dazu kommt, dass er auch als Wide Receiver fungieren kann, der teilweise die unmöglichsten Pässe fängt.

Zwischendurch ist er auch „Holder“ für den Kicker der Extrapunkte oder Field Goals, sofern er das nicht auch selbst übernimmt. Kicken und Punten und selbige des Gegners zurücktragen macht er auch noch. Möglicherweise trainiert er auch die Mannschaft, man weiß es nicht genau. Auch angeschlagen spielt er noch und liefert.

Die Marburger sollten diesen Mann unbedingt in Watte einpacken, pflegen und jeden seiner Wünsche erfüllen. Einen besseren Allrounder dürfte es auf diesem Kontinent nicht geben. Man könnte sagen, dass er so wichtig für Marburg, wie Messi für Argentinien (wenn dieser mal funktioniert) oder Ronaldo für Portugal, ist.MMID24062018-36

Die Top Vereine aus Hall, Braunschweig und auch Frankfurt, dürften sich weiterhin die Finger nach ihm lecken. Aber auf der anderen Seite kann ich persönlich seine Entscheidung pro Marburg und gegen Frankfurt vor der Saison verstehen. Abgesehen von der finanziellen Situation zu dieser Zeit bei der Universe, kann Silas weder bei Hall, noch bei Braunschweig und Frankfurt so eine wichtige Rolle und viele Positionen spielen, da sich dort höherwertiges Spielermaterial tummelt.

Ob Silas Nacita läuft, wirft, passt, hält oder fängt; er kann einfach alles in diesem Sport und lebt diese Passion. Mich wundert nur, dass seine Ehefrau keine Ähnlichkeit mit einem Football hat, aber das ist auch schon das Einzige, was mich an ihm wundert. Es ist schließlich nicht nur so, dass er sportlich glänzt, sondern auch charakterlich ein ganz toller Mensch ist.

MVP der Saison 2018? Egal was noch kommen wird, es kann nur einen geben: Silas Nacita.

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