Spiel drei – von zu Hause hin zu nach Hause

Liebe Leserin, lieber Leser,

Ihnen kommt es auch so vor, als wäre diese Überschrift seltsam oder komisch oder grammatikalisch nicht korrekt? Ich muss zugeben, dass ich ähnliche Gedanken hatte, aber besser kann ich es kaum in so kurzen Worten beschreiben.

Aber bevor ich mich dem eigentlichen Artikel widme, werde ich insgesamt drei kurze Danksagungen los, damit diese nicht untergehen:

  1. Vielen Dank im Namen mehrerer Frankfurter Bürger für das besondere Angebot der Frankfurt Universe (2 Karten zum Preis von 1er), für Bürger aus Frankfurt, die direkt von der Evakuierung durch die Bombenentschärfung betroffen waren (und dies nachweisen konnten).
  2. Vielen Dank von mir an Herrn Uwe Lange für die Möglichkeit Sie persönlich kennen lernen zu dürfen; wenn auch nur kurz.
  3. Ein besonderes Dankeschön an Randie Agnew (Frankfurts Nummer 30) für ein kurzes Gespräch mit Ihnen vor dem Spiel.

 

Nun mal der Reihe nach: der Morgen am Sonntag des 03.09.2017 war nicht besonders schön, eher grau und bedeckt. Sollte es etwa zu Regen kommen? Nun, als ich mich mit Kappe und Trikot bekleidet und mit meiner Kamera „bewaffnet“ auf dem Weg zum Stadion gemacht habe, strahlte die Sonne. Das war just gegen Mittag, als der Einlass öffnete und die Power-Party begann. Hey Petrus, cooles Timing!

So kam ich dann auf dem Stadiongelände an, dieses Mal vorerst ohne Begleiter, aber sofort stellte sich wieder dieses Gefühl von angekommen sein, zu „Hause“ sein, ein. Es war tatsächlich noch intensiver als beim Spiel davor.

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Miracle Four

Die Musik lief bereits und viele Menschen tummelten sich schon vor der Bühne, den Essens- und Getränkeständen und natürlich auch im Fan-Zelt. Erstmal etwas trinken und die vier jungen Damen aus der Schweiz anschauen, bzw. anhören, die sich just kurz nach meiner Ankunft zum Singen auf der Bühne aufstellten. Sie nennen sich „Miracle Four“. Meinen persönlichen Musikgeschmack treffen sie zwar nicht, aber singen und eine Show auf der Bühne liefern, ja das können sie. So ein Auftritt ist auf jeden Fall schöner, als eine relativ leere Bühne mit Musik vom PC.

Danach schlenderte ich ein wenig durch die Gegend, zum Fan-Zelt, zum Samsung-Zelt; einfach mal schauen, was es da so gibt. Auf meinen Wegen sah ich dann eine kleine Gruppe Münchener Spieler; und zu meinem Entsetzen stellte ich fest: die sehen ja gar nicht aus wie Cowboys. Nein, natürlich ganz normale Menschen, die sich auch die Bühnenshow ansehen, bevor es zum Aufwärmen geht. Aber natürlich sind auch wieder viele Spieler der Frankfurter herumgelaufen. Ich muss an dieser Stelle nochmals sagen, dass mich dies immer noch sehr fasziniert, dass sowas überhaupt möglich ist. Sie laufen herum, machen Bilder oder Videos – wie Silas Nacita, dessen Kamera bald wie angewachsen aussah.

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Randie Agnew

Es gibt aber einen Spieler, der mir bereits bei meinem ersten Besuch aufgefallen ist, da er eine große Ähnlichkeit zu einem Wrestler der WWE hat. Oh und siehe da, er lief hier auch herum. Also dachte ich mir, sprich ihn doch einfach mal darauf an. Gesagt, getan. Zum Glück spricht Randie Agnew (Nr. 30 – Running Back) fließendes Deutsch, so war eine kurze Unterhaltung natürlich schön und einfach. Gewiss habe ich ihn darauf angesprochen, ob er in irgendeiner Form mit „Xavier Woods“ (Wrestler aus der WWE) verwandt sei, da er ihm so ähnlichsieht. Er versicherte mir, dass keine Verwandtschaft besteht, er aber wisse, wer gemeint ist, da ich nicht die erste Person war, die ihn darauf angesprochen hatte. Wie gesagt, war das Gespräch verständlicherweise kurz, aber er nahm sich Zeit, war sehr freundlich und sympathisch und wir beide konnten uns bei der Eingangsthematik ein Lächeln, gar Lachen, nicht verkneifen. Wow, ein sehr netter und sympathischer Kerl. Ach und schaut mal bei Google nach „Xavier Woods“ – ihr werdet eine gewisse Ähnlichkeit feststellen. Jedenfalls war bis hier hin und darüber hinaus mein Tag schon gerettet. Wieder etwas Neues, Tolles und Schönes erlebt. Hoffentlich bleibt er der Universe auch nächstes Jahr erhalten, denn ich wüsste schon jetzt welche Nummer mein Fantrikot bekommen würde.

Kurz nach diesem schönen Erlebnis kamen dann auch Marc Junge (All-About-Football), sowie Christian Roth und Peter Koch (beide von American-Sports.Info). Kurze Begrüßung und Vorstellung und dann hieß es auch schon „Essen fassen“. Wir entscheiden uns dafür das Pulled Pork zu probieren, um euch anschließend sagen zu können, ob es sich lohnt, dafür 6 € auszugeben. Warum haben alle vier das gleiche gegessen? Nun, meine persönliche Meinung wäre an dieser Stelle subjektiv und wäre demnach keine Referenz. Also, was bekommt man für die 6 €: Fleisch im Pulled Pork Stil mit Kraut und Sauce in einem Brötchen. Die Brötchen könnten einen Tick knuspriger sein; es ist weder zu viel, noch zu wenig Fleisch vorhanden und die Menge an beigelegtem Kraut überwiegt nicht. Es schmeckt würzig und nicht zu scharf; ist also nicht überwürzt, so dass der natürliche Geschmack noch vorhanden ist. Je nach Vorliebe kann es aber sein, dass zu wenig Sauce dabei ist. Das lässt sich aber sicherlich bei der Bestellung anmerken. Es sättigt jedenfalls recht gut. Das Preis-Leistungs-und Geschmacksverhältnis sind unserer Auffassung nach also gut. Es braucht niemand zu befürchten zu scharfes Essen zu bekommen, das nicht satt macht. Ob jung ob alt, ob Männlein oder Weiblein: das kann jeder essen – außer Vegetarier oder Veganer; aber keine Sorge, ihr werdet sicherlich auch etwas finden, das euch satt machen wird.

Gesättigt und mit allerbester Laune wanderten wir Richtung Haupttribüne, denn in wenigen Minuten sollten sich die Mannschaften aufwärmen. Das wollte ich mir nicht entgehen lassen. Während Marc und ich über Dies und Das redeten, kamen auch langsam die Spieler heraus und liefen aufs Feld. Ach und siehe da, Xavier ähm nein Randie natürlich, kam auch. Mit einem Lächeln und Augenzwinkern rief ich ihm zu „Hey, da ist ja Xavier“ (oder so ähnlich) – kurz mit einem Lachen abgeklatscht und viel Erfolg gewünscht. Nachdem alle Spieler auf dem Trainingsfeld waren, sah ich mir die Aufwärmprogramme beider Mannschaften an. Ist schon interessant, denn irgendwie machen beide Teams in etwa das gleiche, aber zu unterschiedlichen Zeitpunkten. Und dann war es auch schon so langsam Zeit meinem liebgewonnenen „Stammplatz“ auf der Tribüne zu beziehen.

Platz bezogen und den Auftritt der Cheerleader verpasst. Okay passiert, nächstes Mal etwas früher zum Sitzplatz. An diesem Tag waren die Cheerleader aber nicht die einzigen Damen mit einem Auftritt vor dem Spiel. Die vier Hübschen von Miracle Four sangen und tanzten vor der Haupttribüne ein weiteres Mal. Ja doch, sie können sich wirklich sehen und hören lassen die vier Schweizerinnen.

Zunächst wurden die Gäste aus München mit Applaus empfangen und danach wurde es endlich Zeit die Heimmannschaft aufs Feld zu lassen. Doch dieses Mal gab es eine Besonderheit: das Team hinter dem Team lief ebenfalls ein und wurde vorgestellt. Eine, wie ich finde, sehr tolle Geste für die Mühen und die Bereitschaft, die jeder Einzelne aufbringen muss. Ob Trainer, Physiotherapeut usw. Das war wirklich toll.

Ach ja, ein Spiel gab es natürlich auch noch, wenngleich dies für die Frankfurter mehr ein Training unter Wettkampfbedingungen war, da der zweite Platz nach dem Sieg in Marburg bereits endgültig gefestigt war. Für die Münchener jedoch ging es noch darum, das Abrutschen auf den letzten Tabellenplatz zu verhindern. Dann ging es auch endlich los.

Am Anfang wirkte es auf beiden Seiten etwas komisch, denn Ballverluste (sogenannte Fumbles) kamen bei beiden Mannschaften vor. Da hatte wohl ein Spaßvogel den Ball eingeölt?! Nein, Spaß bei Seite, das kann unter Druck natürlich passieren. Apropos Druck: zu Beginn schien München das stärkere bzw. wachere Team zu sein, denn sie schafften es zuerst auf die Anzeigetafel mit drei Punkten durch ein verwandeltes Field Goal. Na sowas, da sehe ich die Universe zu Hause zum ersten Mal im Rückstand. Bis zur Halbzeit stand es dann aber 21:3 für die Frankfurter, die dann doch mal Ernst gemacht und gezeigt haben wer hier Herr im Haus ist.

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Da liegen Flaggen ohne Ende herum

Im ersten Viertel gab es noch eine recht unüberschaubare Szene am Spielfeldrand auf der Seite der Gegentribüne: ein Münchener lag angeschlagen auf dem Boden, aber ohne Helm. Schiedsrichter und Spieler beider Mannschaften bildeten eine große Spielertraube. Die Referees schmissen gefühlt alle ihre Fähnchen durch die Gegend. Es lagen gut 8 oder 9 davon auf dem Feld herum. Was war denn eigentlich passiert? Das konnte ich kaum erkennen. Es hieß also warten bis die Schiedsrichter sich besprochen haben. Was dann dabei rauskam ließ die Frankfurter Zuschauer zu Buh-Rufen und auspfeifen hinreißen. Letztlich gab es wohl ein regelwidriges „Abräumen“ des Münchener Spielers ohne Helm durch einen Frankfurter. Die Strafe traf Frankfurts Nummer 77 (David Beale), der ejected wurde. Anders gesagt hat er die rote Karte bekommen und musste unter die Dusche und fehlt somit auch im Viertelfinale gegen die Dresden Monarchs. Diesen Ausfall wird das Team kompensieren müssen.

Während der Halbzeitpause hatte ich dann die Ehre Herrn Uwe Lange persönlich kennen zu lernen und ein paar Worte zu wechseln. Marc Junge und Christian Roth standen auch dabei und so schön auch dieser Moment war, so schnell war er vorüber als die Teams aus den Kabinen kamen und das Feld betraten.

20170903-IMG_5265Die zweite Hälfte des Spiels verlief insgesamt etwas ruhiger. Mir kam es so vor, als würden die Frankfurter ein paar andere Spielzüge und Formationen unter Wettkampfbedingungen ausprobieren. Das war sicherlich nicht verkehrt im Hinblick auf das kommende Viertelfinale gegen Dresden. Die Münchener hingegen versuchten weiterhin alles um zumindest zu Punkten. Ihr Einsatz wurde auch im dritten Viertel mit einem schön gelaufenen Touchdown mit Extrapunkt belohnt. Aber zu mehr punkten sollten sie bis Spielende auch nicht mehr kommen. Zwei weitere Touchdowns und ein Field Goal drei Sekunden vor Schluss besiegelten den 38:10 Erfolg der Universe gegen die Cowboys.

Erwähnenswert ist dabei noch der Touchdown von Silas Nacita, der nach der Ballübergabe mindestens 50 Yards, also das halbe Spielfeld, überbrückte und ungehindert bis in die Endzone zum Punkten gelaufen war.

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Abklatschen auch mit den Münchnern

Zum Schluss gab es natürlich noch das Händeschütteln beider Teams und was danach kam fand ich wieder einmal so grandios und faszinierend, dass ich aus dem Staunen nicht rauskam. Denn nicht nur die Frankfurter Spieler und Cheerleader sind einmal an allen Tribünen und Fans vorbeigelaufen um sich mit selbigen abzuklatschen, nein auch die Spieler aus München machten spontan mit. Störte dies jemanden? Aber selbstverständlich nicht! Es wurde freudig aufgenommen, so mein Eindruck und zumindest in meiner näheren Umgebung wagte es keiner seine Hand zurückzuziehen, nur weil ein Spieler ein anderes als das lila Trikot trug. Sehr großen Respekt hierfür.

Und dann war auch dieser Spieltag zu Ende. Viel erlebt – wie jedes Mal. Und erneut zwei Wochen auf das nächste Heimspiel warten und die Daumen kaputtdrücken, dass dieses Spiel nicht das letzte Saisonspiel sein wird. In der Zwischenzeit werde ich ein weiteres Mal den Fanshop plündern.

Rückblickend möchte ich noch festhalten, dass es mich selbst nicht mehr wundert, dass ich so schnell zu einem Fan dieser Sportart und dieser Mannschaft geworden bin. Je mehr Hintergrundwissen man sich über diese Sportart aneignet umso klarer wird, dass da so viel drinsteckt, dass einen diese Informationen, Regeln etc. wirklich erschlagen können. Aber es ist fantastisch jedes Mal mehr zu verstehen. Und die Art wie Mannschaft, Spieler und auch Fans miteinander umgehen, fasziniert mich jedes Mal aufs Neue. Es ist ganz einfach gesagt die Nähe zu Allem, das ein dermaßen intensives „Wir-Gefühl“ erzeugt, dass man gar nicht anders kann als wieder zu kommen.

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