Football in der Einflugschneise in der Landesliga Hessen mit Gästen, denen man Respekt erweisen muss. Bericht zum Spiel der Rüsselsheim Crusaders gegen die Gießen Golden Dragons 2 vom 14.07.2018

Da brauchte es also erst Football, damit ich mal in die Opel-Stadt komme. Immerhin ein sehr lohnenswerter Grund, würde ich mal sagen, denn die Crusaders aus Rüsselsheim wollen aufsteigen, zumindest, wenn man die bisherigen Ergebnisse der Saison so sieht.

Aber zunächst hieß es erstmal das Stadion finden. Schwierig war dies aber nicht, denn gleich mehrere Buslinien fahren zur Haltestelle „Schillerstraße“, die praktisch nur einen Steinwurf vom Stadion am Sommerdamm entfernt liegt. Kurz Google Maps angeschmissen, damit ich mich nicht verlaufe und nur wenige Momente später war ich auch da.

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Freundlich begrüßt wurde ich von Herrn Belger, der mich auch direkt einwies. So konnte ich eine gute Stunde vor Spielbeginn die Umgebung auf mich wirken lassen, denn diese ist für Football wirklich gut. Eine schicke überdachte Tribüne, einige Stehplätze auf der Haupt- und Gegenseite. Das kann sich sehen lassen.

Und wie fast überall in der Gegend um Frankfurt finde ich die üblichen Verdächtigen, die zu Footballspielen kommen, nicht wahr Steffi, Olli, Franky und Michael? Sie hatten es während des Spiels wirklich gut, denn auf der Tribüne saßen sie im Schatten, den ich auch gerne auf dem Spielfeld gehabt hätte.

Während des Aufwärmens beider Mannschaften fiel auf, dass recht wenige Spieler aus Gießen da waren. Wenn ich mich im Laufe des Spiels nicht verzählt hatte, waren es ganze 18 Mann. Nicht gerade beneidenswert bei diesen Temperaturen, wenn man bedenkt, dass einige von ihnen gewiss fast permanent auf dem Feld stehen mussten. Bei den Hausherren sah die Lage anders aus: eine gefühlte Hundertschaft war bereit für das letzte Heimspiel in dieser Saison.

RCGGDAUF-6Für das leibliche Wohl war gesorgt und es gab auch einen Stand von 1A-Football. Passendes Schuhwerk, Fanartikel und alles, was man so als Footballer oder eben als Fan benötigt, gab es dort. Aber auch einen kleinen Fanartikelstand der Crusaders gab es. Zwar nur mit T-Shirts in der Teamfarbe, aber immerhin. Und damit den Kleinen nicht langweilig wird, konnten sie sich bemalen lassen. Kinderschminken heißt das. Oder heißt dies, dass Kinder andere Menschen schminken? Ich bin mir da nicht sicher. Jedenfalls hatte es etwas von einer familiären Grillfeier, bei der ein freundlicher Umgang miteinander gegeben war. So wünscht man sich das.

Langsam wurde es dann Zeit für die Mannschaften. Leider musste man an diesem Tag auf Cheerleader verzichten, da viele aufgrund der Sommerferien nicht vor Ort sein konnten. Irgendwie war ich recht einsam auf dem Feld beim Einlauf der Crusaders. Sonst sind meistens ein paar Fotografen mehr da. Aber okay, Hauptsache nicht umgerannt werden von den Herren, die mit Tempo aus der Mitte der Tribüne angerannt kamen. Das hatte schon mal geklappt, den Einlauf schadlos überstanden. Mir ist übrigens nach Auswertung der Bilder aufgefallen, dass manch ein Spieler verwundert schaute, während andere mit der Sonne um die Wette strahlten. Das hatte schon etwas Sympathisches, muss ich sagen.

Kurz noch das Gruppenbild mit den Schiedsrichtern gemacht und dann konnte es auch schon losgehen.RCGGD2-11

Die heimischen Crusaders schienen von Beginn an hoch motiviert zu sein, denn den ersten Drive (also den kompletten Angriffsversuch) konnten sie mit einem Laufspiel zum ersten Touchdown verwandeln. Der Extrapunkt ging dann aber rechts an der Stimmgabel vorbei, sodass es für längere Zeit 6:0 stehen sollte. Die Gießener versuchten ihr Bestes, kamen aber nicht weit, während die Crusaders ihrerseits schon von Beginn an ihre Kadertiefe zu nutzen schienen. Viele Wechsel und das Angriffsspiel funktionierte soweit auch recht gut. Aber die Gäste konnten sich gegen weitere Punkte stemmen.RCGGD2-17

Ein möglicher weiterer Touchdown wurde aber nicht gegeben, da der Rüsselsheimer Spieler wohl schon im Aus gewesen sein sollte. Diese Szene passierte auf der Seite der Rüsselsheimer, die von dieser Entscheidung nicht gerade begeistert schienen. Dennoch gelang ihnen wenige Momente später der zweite Touchdown per Quarterback Sneak, denn es galt nur noch 1 Yard zu überwinden. Und dieses Mal saß der Extrapunkt zum 13:0. Das geschah schon Mitte des zweiten Viertels.

Die Stimmung auf der Tribüne war unterdessen sehr gut und immer wieder hörte ich den Michael laut lachen (ja, das muss mal gesagt sein). Die Truppe hatte Spaß. Aber auch viele Fans unterstützten die Mannschaft, insbesondere, wenn die Defense auf dem Platz stand. Aber kurz vor Ende des zweiten Viertels half diese Unterstützung nicht, als ein guter Pass einen freien Receiver fand, der bis in die Endzone zu den ersten Punkten für die Gäste durchlaufen konnte. Doch den Extrapunkt konnten sie nicht verwandeln. Er war etwas zu tief angesetzt und konnte geblockt werden. 13:6 stand es und das war auch der Halbzeitstand.RCGGD2-47

Während der Pause fragte ich mich, wie lange die Gießener mit ihrem kleinen Kader dem Druck der Hausherren standhalten würden. Denn mit nur 18 Mann ist dies keine leichte Aufgabe auf ein ganzes Spiel gesehen.

Das Spiel ging weiter und die Gießener schafften es im dritten Viertel tatsächlich sehr gut zu verteidigen. Es gab in diesem Viertel keinen einzigen Punkt. Aber bei den Gästen bemerkte man schon einige Konzentrationsschwächen. Viel zu oft fielen sie auf die die Kommandos des gegnerischen Quarterbacks herein und produzierten Frühstarts.

RCGGD2-41Doch im letzten Viertel konnten die Rüsselsheimer ihre numerische Überlegenheit auch in Punkte umsetzen. Ganze 19 Punkte in Folge konnten sie erzielen, während man den Gießenern anmerkte, dass ihnen die Kraft ausging. Kurz vor Ende hieß es also 32:6 für die Crusaders. Das Spiel war damit entschieden. Aber die Gäste zeigten Moral und konnten trotzdem noch einmal zu Punkten kommen und änderten den Spielstand auf 32:12. Extrapunkte gab es nicht mehr. Dafür eine verbale Auseinandersetzung zwischen einigen Spielern, die beinahe in einer Schlägerei endete. Aber eben nur beinahe. Es blieb gesittet und die letzten Sekunden liefen herunter.RCGGD2-71

Die Gäste haben meinen Respekt, denn mit dem kleinen Kader anzutreten, war gewiss keine leichte Übung. Man hätte das Spiel auch absagen können, aber das wurde nicht gemacht. Ich finde dies wirklich löblich, auch wenn man sicherlich mit einer Niederlage rechnen musste.RCGGD2-57

Die Rüsselsheimer hingegen bleiben also ungeschlagen und haben noch zwei Spiele vor sich, um Platz 1 zu festigen. Das wichtigere Spiel dabei ist am kommenden Samstag bei den Fulda Saints. Der direkte Konkurrent um Platz 1, den man im Hinspiel mit 17 zu 7 schlagen konnte. Bei einem eigenen Sieg ist alles klar, bei einer Niederlage könnte die Punktedifferenz eine wichtige Rolle spielen.

Leider musste ich nach dem Spiel relativ zügig gehen, damit ich meine Bahnverbindung noch erreichen konnte. Aber wenn es mit dem Aufstieg klappt, dann könnte es passieren, dass ich die Crusaders auf diesem oder einem anderen Weg wiedersehen werde.

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Kleinstadt Football. Nauheim Wildboys gegen die Fulda Saints vom 19.05.2018. Spiel- und Erlebnisbericht

Wochenende und Sonnenschein. Wieder war es perfektes Wetter für einen schönen Footballnachmittag. Und dieses Mal machte ich mich auf den Weg nach Nauheim. Nicht Bad Nauheim, sondern Nauheim bei Groß-Gerau. Man kann auch sagen, dass dieses beschauliche Örtchen in einem Dreieck zwischen Frankfurt, Mainz und Darmstadt liegt.

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Zu den Bildern der Umgebung, vom Aufwärmen und „Einlauf“: hier klicken

Kaum war ich dort gegen 14 Uhr angekommen, lief ich durch das Örtchen in Richtung des Sportplatzes, auf dem das Spiel stattfinden sollte. Irgendwie typisch für eine Kleinstadt, dass es sich auch schon zu dieser Uhrzeit so anfühlt, als wären die Bürgersteige schon hochgeklappt. Also immer der Lautstärke nach, denn dort wo am lautesten gebrüllt wird, muss Football sein. Und so war es auch. Die Mannschaften waren schon dabei sich aufzuwärmen.

Ein typischer kleiner Sportplatz mit Aschenbahn und einer kleinen Tribüne, die schattige Plätzchen anbot, waren vorhanden. Die Fußballtore wurden einfach umfunktioniert und so war schon alles angerichtet für den Footballnachmittag. So habe ich mich ein wenig umgesehen und bin einmal um den Platz gelaufen, um alles auf mich wirken zu lassen.NWBFSvdS19052018 (8 von 26)

Angerichtet war übrigens nicht nur der Platz, sondern auch die Verpflegung in Form von leckeren Burgern und Würstchen, dampften schon genüsslich auf einem kleinen Grill.

Schnell fanden sich auch Gesprächspartner und das Gefühl eines Familiennachmittags stellte sich recht zügig ein. In Nauheim wird man willkommen geheißen. Das war ein erneut schönes Erlebnis und Gefühl. Es bestätigte einmal mehr, dass Football eine große Familie ist.NWBFSvdS19052018 (12 von 26)

Bis zum Spielbeginn füllte sich die Tribüne mit Zuschauern und es waren definitiv mehr als 100 gekommen, um das Spiel an diesem schönen Nachmittag anzusehen. Für Football in der fünften Liga in einer Kleinstadt keine schlechte Kulisse, wie ich finde.

Langsam wurde es auch ernst und der Kickoff stand bevor. Einen Einlauf, wie es andernorts gemacht wird, gab es nicht. Aber die Nauheimer haben da so ihren eigenen Weg gefunden, sich auf das Spiel einzustimmen. Den üblichen Münzwurf kurz darauf, gab es selbstverständlich auch und die Gäste aus Fulda eröffneten anschließend das Spiel mit dem Kickoff.NWBFSvdS19052018 (17 von 26)

Eigentlich hätte Nauheim in der Offensive sein sollen, aber durch eine Strafe gegen Nauheim, den Grund habe ich nicht genau mitbekommen, durften die Saints auch gleich ihrerseits versuchen, die ersten Punkte zu erzielen. Aber das gelang nicht, vielmehr wechselte der Ballbesitz durch eine Interception an die Nauheimer.

In der Folge wechselte der Ballbesitz mehrmals durch erfolglose Angriffsversuche mit anschließenden Punts und Interceptions auf beiden Seiten. Die Mannschaften schenkten sich nichts und es wirkte auf dem Feld relativ ausgeglichen. Die ersten Punkte konnten dann die Gäste für sich verbuchen. Die Wildboys waren in der Offensive, mussten aber aufgrund einer Strafe sehr nahe an die eigene Endzone zurück. In dieser hatte Nauheims Quarterback keine Chance gegen den blitzschnellen Gegenspieler, der ihn in der Endzone samt Ball zu Boden brachte und damit eine Safety verursachte. Die ersten zwei Punkte für den Gast aus Fulda.

An dieser Stelle muss man dazu erwähnen, dass der Stamm Quarterback der Nauheimer verletzt ausgefallen ist und sein Ersatzmann erst seit gerade einmal zwei Wochen die Position des Quarterbacks spielt. Das konnte man nicht nur in dieser Spielsituation erkennen, sondern auch über das ganze Spiel. Es soll kein Vorwurf von meiner Seite sein, denn gerade diese Position kann man nicht einfach mal eben so erlernen und perfekt spielen.

Weiter ging es nach der Safety mit Ballbesitz für Fulda, die in Höhe der Mittellinie ihre Angriffsversuche starten konnten. Mit einer Ballübergabe, sowie einem Lauf, konnten die Saints die Nauheimer komplett aus dem Spiel nehmen und die nächsten Punkte mit einem erlaufenen Touchdown auf die Anzeigetafel bringen. Fuldas Nummer 15 schaltete den Raketenmodus ein und war nicht mehr einzuholen. Der folgende Extrapunkt war ebenfalls gut, sodass die Gäste aus Fulda mit 9:0 in Nauheim führten. Kurz darauf war auch das erste Viertel zu Ende.NWBFS19052018 (26 von 64)

Das zweite Viertel ist schnell erzählt, denn die Mannschaften begannen erneut sich gegenseitig zu egalisieren und mit weiteren Punts und Interceptions das Spiel größtenteils im Mittelfeld zu halten. Somit gab es auch keine weiteren Punkte und der Halbzeitstand hieß 0:9 aus Sicht der Wildboys.

Während der Pause begab ich mich auf die Tribüne und genoss für einige Momente ein schattiges Plätzchen. Einfach auch ein bisschen den angenehmen Wind genießen und in nicht allzu weiter Entfernung die startenden Flugzeuge des Frankfurter Flughafens beobachten.

Auch in der zweiten Hälfte im dritten Viertel änderte sich nicht viel am Bild des Spiels. Viele erfolglose Angriffsversuche auf beiden Seiten, die mit einem Punt oder aber einer Interception endeten. Aber die Nauheimer schafften es bis ganz kurz vor die Endzone der Gäste, nachdem sie einen Pass der Gäste abfangen konnten. Gefühlt war es doch schon ein Touchdown gewesen, aber knappe zwei Yards vor der Endzone konnten die Gäste diesen noch verhindern.NWBFS19052018 (49 von 64)

Die folgenden vier Versuche brachten nicht den gewünschten Erfolg und ich fragte mich, warum man im vierten Versuch nicht wenigstens die drei Punkte für das Field Goal mitnimmt, da die Defensive der Gäste erfolgreich für Raumverlust bei den Nauheimern sorgte. So wechselte der Ballbesitz erneut und Fulda stand kurz vor der eigenen Endzone und durfte nun offensiv werden.

Während der Angriffsversuche Fuldas endete auch das dritte Viertel und sie standen auch schon relativ nah an der Endzone, um weitere Punkte machen zu können. Diese machten sie dann auch direkt zu Beginn des vierten Viertels mit einem Field Goal. Nun stand es 0:12 anstatt 3:9.

Die Wildboys stachelten sich gegenseitig an und sie versuchten weiterhin bei ihren Angriffen nach vorne zukommen. Doch die Ballwechsel durch Punts und Interceptions blieben auch bis zum Schluss an der Tagesordnung, so dass das Spiel mit 0:12 zu Ende ging.NWBFS19052018 (28 von 64)

Selbstverständlich gab es kurz darauf das Händeschütteln zwischen beiden Mannschaften und auch das faire Nauheimer Publikum applaudierte für beide Mannschaften, wenngleich natürlich der Applaus für die eigenen Mannen größer ausfiel.

Insgesamt zeigten die Nauheimer eine gute Leistung in der Defensive während man ihnen ansieht, dass die Offensive mit dem Ausfall des Quarterbacks deutlich geschwächt ist. Die Gäste aus Fulda waren weder dominant, noch hatten sie deutlich mehr Spielanteile. Aber sie hatten in den entscheidenden Szenen die Nase etwas vorne und brachten die Punkte auf die Anzeigetafel und konnten somit die Punkte für den Sieg aus Nauheim entführen.NWBFS19052018 (64 von 64)

Nach dem Spiel hatte ich noch ein wenig Zeit für Gespräche, bevor ich mich in Richtung des Bahnhofs aufmachte, um meine Heimreise anzutreten. Diese aber mit einem guten und freudigen Gefühl, wieder einmal unter Freunden beim Football gewesen zu sein.

Nun aber noch etwas in eigener Sache: ich dachte immer, dass das Kicken, bzw. die Position des Kickers, beim Football doch gar nicht so schwer sein kann. Mich hat es ohnehin schon gewundert, dass bei den letzten Spielen, die ich besucht habe, lieber die vierten Versuche ausgespielt wurden, statt auf drei Punkte für ein Field Goal zu gehen.

Ist es wirklich derart schwierig das Ei zu kicken? Es muss wohl der Fall sein. Ich habe dies gewiss noch nie gemacht und mag wohl eine falsche Vorstellung davon haben, so wie es aussieht. Vielleicht sollte ich Kicker beim Football werden?! Machen würde ich es, selbst dann, wenn es bedeutet, dass ich in Trainings stundenlang kicke und kicke und….